15.07.2014
In Memory Technologie
Von: Frank Brockmann

Wie sich SAP-Anwenderunternehmen auf Cloud- und Hana-basierte Lösungen vorbereiten können

Analyse des SAP-Systems

„Vereinfachen und Optimieren“, unter diesem Motto hat SAP-Vorstandschef Bill McDermott etwas eingeleitet, was der designierte Finanzchef von SAP, Luka Mucic, „die größte Transformation der Unternehmensgeschichte“ nennt. Neben dem klassischen Geschäft der SAP, dem Verkauf von Softwarelizenzen, will SAP zukünftig verstärkt Software vermieten, die in der Cloud von SAP, Hana, betrieben wird. Kunden können diese Software gegen ein im Vergleich zu den hohen Lizenzgebühren beim Softwarekauf geringes, regelmäßig zu zahlendes Entgelt nutzen.


Für das Unternehmen SAP bedeutet die Transformation einerseits einen Kraftakt, andererseits fühlt sich SAP im Wettbewerb um Kunden in der Cloud mit der Datenbanktechnologie Hana gut gerüstet. Mit ihr können sehr große Datenmengen – Big Data – durch die Datenhaltung im Hauptspeicher in kurzer Zeit verarbeitet werden. Damit verspricht der Einsatz von Hana eine Beschleunigung von Geschäftsprozessen, schafft aber auch die Grundlage für völlig neuartige Anwendungen wie die zeitnahe Auswertung und Aufbereitung von quasi in Echtzeit anfallenden Daten in vielen Bereichen:

  • Kassendaten im stationären Handel
  • Daten über das Klick-Verhalten von Kunden im Online-Handel
  • Daten aus Manufacturing Execution Systems in Fertigungsbetrieben
  • Daten aus Smart Metering bei Energie- und Wasserversorgen
  • Daten aus Handelssystemen bei Banken und Börsen

Während Hana von Großunternehmen zum Teil schon erworben wurde und eingesetzt wird, ist es für den Mittelstand aufgrund hoher Lizenzgebühren und hoher Kosten für die zusätzlich anzuschaffende Hardware bisher eher keine Option.

Hana-basierte Cloud Lösungen auch für kleine und mittlere Unternehmen

Mit der neuen Strategie reagiert SAP und bietet Hana-basierte Lösungen in der Cloud an, die auch für kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich sind, weil hohe, anfängliche Investitionen in Softwarelizenzen und Hardware umgangen werden können. Kunden müssen nicht in einem großen Schritt sämtliche mit SAP-Software unterstützten Geschäftsprozesse in die Cloud verlagern, sondern können mit kleineren, weniger kritischen Teilprozessen und Funktionen wie beispielsweise der Reisekostenabrechnung beginnen.

Cloud-Lösungen müssen sich noch durchsetzen

Dennoch ist die Skepsis gegenüber Cloud-Lösungen gerade in Deutschland bei Mittelständlern wie auch bei Großunternehmen als hoch im Vergleich beispielsweise zu den USA einzustufen. Die Verantwortlichen in den Unternehmen betreten mit der Cloud Neuland und sind dementsprechend zurückhaltend. In der näheren Zukunft wird es daher in den meisten Unternehmen eine Mischung aus Lösungen in der Cloud und jenen, die im eigenen Rechenzentrum betrieben werden, geben. Es ist zu erwarten, dass der Anteil der Cloud-Lösungen mittelfristig schrittweise zunimmt.

Wie können sich SAP-Anwenderunternehmen auf den Einsatz Cloud- und Hana-basierter Lösungen vorbereiten?

Cloud-Lösungen der SAP können – einmal abgesehen von bestimmten Einstellungen, die über Customizing vorgenommen werden – nur derart genutzt werden, wie von der SAP zur Verfügung gestellt. Größere Änderungen im Sinne von „modifications“ sind nicht möglich oder nicht zu empfehlen, wenn das Anwenderunternehmen den Kostenvorteil der Cloud-Lösung nicht gleich wieder verlieren will. Zudem müssen die von der SAP Cloud-Lösung angebotenen Schnittstellen genutzt werden, wenn die Cloud-Lösung und selbst betriebene Lösungen integriert werden sollen. Daher ist es zunächst wichtig, die in die Cloud zu übertragenden Funktionen und Teilprozesse zu verschlanken und möglichst in den SAP-Standard zurück zu überführen (Re-Standardisierung), um eine leichte und schnelle Übertragbarkeit auf die SAP-Cloud-Lösungen zu gewährleisten.

Damit nicht übermäßig komplexe Schnittstellen zwischen den Teilprozessen in der Cloud und den im eignen Haus verbliebenen Teilprozessen entstehen, ist es sinnvoll, ebenso mit den Funktionen und Teilprozesse, die im eigenen Haus verbleiben, zu verfahren und auch diese zu verschlanken und soweit wie möglich in den SAP-Standard zurück zu überführen.

Und als letztes: da mit der Schnittstelle zu einer Cloud-Lösung trotz verschiedener Sicherheitsmechanismen immer auch eine zusätzliche Öffnung der eigenen IT-Infrastruktur zum Internet einhergeht, sollten die SAP-Systeme ebenfalls auf Sicherheitslücken in der Rollen- und Berechtigungsstruktur hin untersucht werden.

Vor der Cloud kommt die Analyse

Vor dem Schritt in die Cloud ist es wichtig, die Überführung zu vereinfachen und zu verkürzen. Anbieter wie West Trax extrahieren aus den in den Logs der SAP-Systeme gespeicherten Nutzungsdaten offline, also ohne Zugriff auf das SAP-System, welche Teilprozesse und Prozessschritte das SAP- Anwenderunternehmen mit SAP-Standardfunktionalität unterstützt. Des Weiteren filtert West Trax heraus, wo ungenutzte Eigenentwicklungen vorhanden sind, welche Eigenentwicklungen selten genutzt werden und daher für eine Re-Standardisierung besonders in Frage kommen, welche Jobs auf dem System gelaufen sind, wer die Jobs initiiert hat und vieles mehr. Mit dem umfangreichen Abschlussbericht der Analyse erhält das Anwenderunternehmen Transparenz über seine individuellen Möglichkeiten zur Verschlankung und Re-Standardisierung des untersuchten Systems. Die erkannten Vereinfachungs- und Optimierungsmöglichkeiten sind mit konkreten, empfohlenen Maßnahmen hinterlegt.

Jochen Siegle, Head of IT-Corporate Services bei Lantiq, Anbieter von Chips und Software für Breitband-Access und Home Networking konnte gute Erfahrungen mit den Analysen machen: „Ein Standardsystem wie SAP kann nur kosteneffizient betrieben werden, wenn auch der Standard verwendet wird. Die Frage, wie standardnah unser SAP-System ist, beschäftigt uns schon seit Jahren. Bislang konnten wir jedoch kein geeignetes Referenzmodell ausfindig machen, um den Standardisierungsgrad zu messen, geschweige denn Vergleichszahlen aus der Branche zu bekommen. Die Ergebnisse aus einer West-Trax-Analyse haben uns bestätigt, dass wir bei Lantiq mit unseren Standardisierungsbemühungen im SAP-Umfeld grundsätzlich auf dem richtigen Weg sind.“

Nah am Standard?

Neben Potenzialen zur Verschlankung und Re-Standardisierung erhalten die Anwenderunternehmen auch Transparenz über bezahlte, aber bisher ungenutzte SAP-Standardfunktionalität und damit über Potenziale zur Modernisierung und Weiterentwicklung ihrer Geschäftsprozesse. Wenn das Anwenderunternehmen neben den Logs des SAP- Systems auch Daten über Rollen und Berechtigungen zur Verfügung stellt, können Analysten durch die Offline-Analyse dieser Daten aufzeigen, wo Sicherheitslücken und Risiken durch kritische Kombinationen von Berechtigungen bestehen.

Plant ein SAP-Anwenderunternehmen die Portierung der SAP Business Suite oder von Teilen der SAP Business Suite auf Hana, kann vorab ermittelt werden, welche Geschäftsprozesse bereits heute von der Portierung auf Hana profitieren können. Dabei wird untersucht, mit welchen Standardtransaktionen und Standardreports die Geschäftsprozesse unterstützt werden und welche dieser Standardfunktionalitäten durch Scheduling- oder Prozessmanagementsoftware automatisierbar sind. Denn nur Geschäftsprozesse, die wenig oder kein manuelles Eingreifen durch den Benutzer erfordern, können wirklich durch Hana beschleunigt werden und damit von Hana profitieren.

„Vereinfachen und Optimieren“ ist also nicht nur ein Motto, unter dem sich die SAP neu erfindet. Vereinfachung und Optimierung ist das Ziel, das viele SAP-Anwenderunternehmen ohnehin anstreben, um laufende Kosten zu senken, die Produktivität der SAP-Systeme zu steigern sowie durch den gezielten Einsatz von Cloud- und/oder Hana-basierten Lösungen ihre Geschäftsprozesse zu beschleunigen und bisher nicht für realisierbar geltende Anwendungen zu aktivieren. Analysen sind ein wertvoller Weg, Transparenz zu schaffen und SAP-Anwenderunternehmen den Weg zu weisen.

www.westtrax.de

Bildquelle:Thinkstock / iStock


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