15.04.2014
Netzwerk
Von: Verena Schulz, Ina Schlücker

Software-defined Networking im RZ

Zukunftsmusik für das Netzwerk

Der Einsatz von Software-defined Networking kann im Rechenzentrum (RZ) für mehr Agilität und Flexibilität sorgen.


61 Prozent der Unternehmen weltweit sind der Ansicht, dass ihre Netzwerke den Anforderungen der Zukunft nicht gewachsen sind.

Klassische IT-Infrastrukturen sind Trends wie Mobility, Big Data oder Cloud Computing mitunter nicht mehr gewachsen. Denn diese Technologien verlangen nach Hochverfügbarkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit. Ein neues Schlagwort für Netzwerke lautet daher Software-defined Networking (SDN). Denn die Virtualisierung von Netzwerken schreitet schnell voran und die Netzwerkindustrie steht in den Startlöchern, um mit SDN das zu erreichen, was VMware bei Servern bewirkt hat. Dabei soll sich laut Analysten der Umsatz mit SDN-Produkten bis 2016 um mehr als zwei Milliarden Dollar sogar verzehnfachen.

In der Vergangenheit wurde in Unternehmen oftmals versucht, durch mehr Geräte eine höhere Netzwerkleistung zu erzeugen. Bewirkt hat dies aber das Gegenteil, inklusive erhöhter Wartung und Steuerung sowie einer größerer Fehleranfälligkeit. Von daher musste die Lösung an anderer Stelle gesucht werden: an der ­Basis. „Im Vergleich zu den hierarchischen Ethernet-Architekturen bieten Ethernet Fabrics, d.h. ­moderne Netzwerk-Designs, heute verschiedene Vorteile“, berichtet Frank Kölmel, Senior Director EMEA-Central beim Netzwerkspezialisten Brocade. Grund hierfür sei der Nord-Süd-Verkehr, bei dem Daten im Rechenzentrum über alle Ebenen geschickt werden. So entstehen schnell Engpässe. Doch was heute vermehrt gefragt ist – Stichwort Virtualisierung und M2M – ist der Ost-West-Verkehr. Im nächsten Jahr soll dieser sogar auf ein Zehnfaches ansteigen, so dass bis zu 70 Prozent des gesamten Datenverkehrs zwischen den Servern stattfinden wird. Genau an dieser Stelle setzt SDN an: Um den Datenfluss auf jeder Ebene zu gewährleisten, werden damit traditionell integrierte Netzwerk-Stacks voneinander getrennt, so dass Kontrollfunktionen separat von der Datenebene ablaufen, berichtet Kölmel.

Ein Ziel ist es dabei, Flexibilität sowie Agilität durch neue Techniken zu fördern. Dass dies notwendig ist, zeigen aktuelle Studien: So geben 61 Prozent der Unternehmen weltweit an, dass ihre Netzwerke den Anforderungen der Zukunft nicht gewachsen sind. Oftmals komme es durch veraltete Infrastrukturen zu Netzwerkausfällen – bei einem Drittel sogar mehrmals pro Woche. Darunter kann die Produktivität leiden, wodurch Kunden das Vertrauen verlieren und die Einnahmen zurückgehen. Von SDN erwarten sich daher viele Verantwortliche eine Verbesserung der aktuellen Situation. Die meisten planen eine Implementierung von SDN in Kombination mit Ethernet Fabrics bis zum nächsten Jahr.

Kürzere Innovationszyklen

Die Vorteile einer SDN-Umstellung sind verschieden: Allgemein werden Netzwerke durch die Anwendung flexibler softwaredefinierter Regeln planbarer. Einzelne Datenströme können von zentraler Stelle unmittelbar gesteuert werden, wodurch die Verfügbarkeit von Anwendungen und Netzdiensten beschleunigt wird. Aus operativer Sicht kann dies nicht nur zu erhöhter Flexibilität, Effizienz und Skalierbarkeit führen, sondern auch Einsparungen hinsichtlich Strom und Kosten mit sich bringen. Nicht zuletzt sollen die Unternehmen durch kürzere Innovationszyklen mehr Freiraum erhalten, um sich verstärkt auf die Entwicklung neuer Services zu konzentrieren.

Darüber hinaus legt SDN seinen Fokus auf die Weiterentwicklung neuer Ansätze im Flow-Management. Die Open-Source-Lösung Openflow (aktuelle Version 1.3) ist zu einem unverzichtbaren Schlagwort geworden. Derzeit gibt es auf dem Markt Router und Switches mit unterschiedlicher Programmierbarkeit, was begrenzte Funktionalität und Inkonsistenz zwischen den Produkten mit sich führt. Daher ist es wichtig, bei der Auswahl der Netzwerkhardware darauf zu achten, dass Openflow und somit die Interoperabilität der Systeme unterstützt wird. „Derzeit wird viel über SDN diskutiert“, so Kölmel. „Viele Unternehmen erwägen die Umstellung. Für sie stellt sich die Kernfrage, welchen Nutzen SDN für sie hat, vor allem wenn es um Management, Flexibilität und Agilität geht. Unternehmen, die SDN bereits einsetzen, gehören momentan noch zu den ‚Early Adopters‘. Alle anderen befinden sich noch in der Planungsphase. Wichtig ist jedoch, die Anforderungen von morgen schon jetzt fest ins Auge zu fassen und sich mit SDN-fähiger Netzwerkhardware auf einen Einsatz in den nächsten Jahren vorzubereiten.“

 

Software-defined Networking (SDN) …

… bildet eine optimale Grundlage für Cloud ­Computing
… macht Netzwerke planbarer, flexibler und ­zentral steuerbar
… birgt Einsparpotential bei Stromkosten
… vereinfacht die Administrierbarkeit
… erlaubt es Unternehmen, ihr Netzwerk ­dynamisch an neue Anforderungen anzupassen.

Quelle: www.software-defined-network.com

 

Bildquelle: Thinkstock/iStock


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