Klaus Hofmann zur Linden, Information Builders
Vorhandene BI-Lösung als Basis für Big Data
Interview mit Klaus Hofmann zur Linden, Technical Manager bei Information Builders in Eschborn

Klaus Hofmann zur Linden, Technical Manager bei Information Builders
IT-DIRECTOR: Herr Hofmann zur Linden, was genau versteht man unter „Big Data“?
K. Hofmann zur Linden: Eines vorweg: Big Data ist keine neue Technologie oder ein neues Produkt, es ist vielmehr eine Erweiterung vorhandener Methoden und Prozesse zur Datenerschließung und -analyse. Zu berücksichtigen sind dabei mehrere Anforderungen: ein drastisches Wachstum beim Datenvolumen, Analyseergebnisse sollen am besten in Echtzeit zur Verfügung stehen, es müssen immer mehr Datenquellen mit strukturierten und unstrukturierten Beständen berücksichtigt werden und schließlich steigt die Zahl der potentiellen Anwender – unternehmensintern, aber auch bei Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten.
IT-DIRECTOR: Über welche Datenvolumina spricht man hier?
K. Hofmann zur Linden: Heute schon werden Datenmengen im Terabyte-Bereich analysiert, in Kürze werden wir bei Petabyte, Exabyte und in nicht allzu ferner Zukunft bei Zettabyte angelangt sein.
IT-DIRECTOR: Vor welche Herausforderungen stellt die Analyse unstrukturierter Daten gemeinhin die Verantwortlichen?
K. Hofmann zur Linden: Unternehmen müssen zunächst einmal analysieren, welche der vorhandenen unstrukturierten Daten für bestimmte Einsatzgebiete von Relevanz sind. Als nächstes gilt es, diese Daten zu erschließen, um sie in Geschäftsprozessen und Anwendungen zur Unternehmenssteuerung integrieren zu können. Nutzen lassen sich für die Suche nach Informationen etwa Tools wie Webfocus Magnify von Information Builders. Es durchsucht Daten- und Textbestände, indiziert die Ergebnisse und dient als „Google-ähnliche“ Suchmaschine.
IT-DIRECTOR: Weshalb kann die Auswertung von Big Data für Unternehmen so nützlich sein? Wo liegt der große Mehrwert für das Business?
K. Hofmann zur Linden: Big Data ist kein Hype, der morgen wieder vorbei ist. Vielmehr geht es darum, große Mengen an Daten, auch strukturiert und unstrukturiert, ihrer Relevanz entsprechend zu erfassen, zu verarbeiten, auszuwerten und für Geschäftsentscheidungen bereitzustellen. Letztlich ist die Nutzung von Big Data eine weitere Möglichkeit der Effizienzsteigerung und Wertschöpfung: nämlich das volle Potential aller Assets eines Unternehmens zu erschließen und synergetisch nutzen zu können.
IT-DIRECTOR: Inwieweit können herkömmliche BI-Lösungen für Big-Data-Analysen herangezogen werden? Wann sollte man besser auf ein spezielles Tool setzen?
K. Hofmann zur Linden: In vielen Fällen sind vorhandene Applikationen eine gute Ausgangsbasis. Es besteht keine Notwendigkeit, für Big Data ein weiteres Tool einzuführen. Die eingesetzte Lösung sollte offen für jegliche Datenerweitung sein und über eine entsprechende Adapterauswahl verfügen. An dieser Stelle sind Verfahren und Lösungen wichtig, um Daten aus unterschiedlichen Quellen noch vor ihrer Speicherung auf Aktualität, Konsistenz und Vollständigkeit zu überprüfen. Das Stichwort lautet hier „Datenqualitätsmanagement“.
IT-DIRECTOR: Welche Technologien bilden die Grundlage für Big-Data-Analysen?
K. Hofmann zur Linden: Zu nennen sind hier die Bereiche Nutzung der unterschiedlichsten Datenquellen mit strukturierten und unstrukturierten Informationen (z.B. auch von Social-Media-Plattformen), Funktionen zur Echtzeitanalyse und zur Analyse stetig steigender Datenvolumen. Entscheidende Bedeutung kommt dabei immer dem Thema Data Governance zu, das heißt dem Konzept des Stammdaten- und Datenqualitätsmanagements. Das Fundament bilden langjährig bewährte Lösungen wie BI-Plattformen, Data Warehouses und Business Analytics. Es ist aus Gründen der Konsistenz grundsätzlich anzuraten, eine Lösung für Business-Intelligence- und Big-Data-Disziplinen einzusetzen.
IT-DIRECTOR: Inwieweit können die Auswertungen von großen, unstrukturierten Datenmengen wie Blogs oder sozialen Netzwerken zu einer Verletzung von Compliance-Vorgaben und Gesetzen führen?
K. Hofmann zur Linden: Bei allem was sie tun, müssen Unternehmen gesetzliche Vorschriften und Vorgaben einhalten. Wer Blogs oder Facebook auswertet, muss auch bislang schon die Datenschutzgesetzgebung berücksichtigen. Das gleiche gilt für Compliance-Regelungen. Daran wird und darf sich auch mit Big Data nichts ändern.
IT-DIRECTOR: Können Sie uns bitte ein Anwenderbeispiel nennen?
K. Hofmann zur Linden: Einige unserer Kunden aus Branchen wie Automobil, Banken und Versicherungen, Industrie und Logistik haben Pilotprojekte aufgesetzt und evaluieren die Ergebnisse. Aktuell wird vieles getestet und die Ergebnisse fließen in verbesserte Applikationen ein. Noch einmal: Big Data ist ein enorm wichtiger Trend und jedes Unternehmen, das die Möglichkeit hat etwas auszuprobieren sollte dieses tun, um Erfahrungen zu sammeln.
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
IT-Infrastrukturen: Ruckzuck von 0 auf 100
Software
Business Intelligence: Datenberge bezwingen
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