15.11.2011
Branche, Business Intelligence
Von: Ina Schlücker

Tom Cahill, Jaspersoft

2020 fällt die magische Grenze von 35 Zettabytes

Interview mit Tom Cahill, Vice President EMEA bei Jaspersoft, über steigende Datenmengen und technische Grundlagen für Big Data


Tom Cahill, Vice President EMEA bei Jaspersoft

IT-DIRECTOR: Herr Cahill, was genau versteht man unter „Big Data“?

T. Cahill: Darunter versteht man die mehrfach wiederholte Kommunikation zwischen EDV-Geräten und Netzwerken und die dadurch steigende Anzahl an Datensätzen. Jegliche Maschinendaten, die durch IT-Systeme oder -Infrastrukturen eines Unternehmens generiert werden, kann man der Kategorie Big Data zuordnen. Social Networks und die zunehmende Verbreitung von Medieninhalten wie Videos oder Fotos sind weitere Beispiele für die Entstehung von Big Data.

IT-DIRECTOR: Über welche Datenvolumina spricht man hier?

T. Cahill: Im Jahr 2009 betrug der Datenbestand 800.000 Petabytes. Es ist zu erwarten, dass das Datenvolumen in den nächsten zehn Jahren um das Zehnfache wächst und in 2020 die magische Grenze von 35 Zettabytes erreicht ist. Etwa 80 Prozent dieser Daten sind unstrukturiert.

IT-DIRECTOR: Vor welche Herausforderungen stellt die Analyse unstrukturierter Daten gemeinhin die Verantwortlichen?
T. Cahill: Die Verantwortlichen stehen vor der schwierigen Aufgabe, aus der Vielzahl der unstrukturierten Daten, für das Unternehmen wertvolle Informationen herauszufiltern. 83 Prozent der CIOs sehen in Business-Intelligence- und Data-Analytics-Lösungen das Potential, aus unstrukturierten Daten relevante Informationen zu gewinnen. Diese Informationen, die sie dann visualisieren und mit denen sie interaktiv arbeiten können, unterstützen Entscheider und Manager schnellere und qualifiziertere Entscheidungen zu finden. Das Einsetzen von BI-Lösungen kann Unternehmen in diesem Zusammenhang letztlich im Markt zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorsprung verhelfen.

IT-DIRECTOR: Weshalb kann die Auswertung von Big Data für Unternehmen so nützlich sein?
T. Cahill: Die Auswertung wird ganz besonders im Zusammenhang von Social Media für Unternehmen interessant. Sind erst einmal die durch Social-Media-Promotions gewonnenen Daten gesichtet und in das ERP- und CRM-System eingepflegt, lassen sich für Unternehmen völlig neue Kundengruppen erschließen, was für den Vertrieb natürlich einen großen Mehrwert bereithält.

IT-DIRECTOR: Inwieweit können herkömmliche BI-Lösungen für Big-Data-Analysen herangezogen werden? Wann sollte man besser auf ein spezielles Tool setzen?

T. Cahill: Unternehmen sind damit gut beraten, wenn sie für Big-Data-Analysen eine Kombination aus leistungsfähiger BI- und geschäftskritischer Analyselösung nutzen. Jaspersoft bietet beispielsweise eine flexible Report- und Analyselösung mit ausgezeichneter Performance. Alle Funktionen, die Unternehmen für eine Big-Data-Analyse benötigen, wie ETL, pixelperfektes Reporting, Ad-hoc-Reporting, Dashboards und natives Reporting für Hadoop über Hive oder HBase werden von Jaspersoft in der auf Open Source basierenden Business-Intelligence-Suite bereitgestellt. Weitere Erkenntnisse könnten von speziellen Tools wie beispielsweise einer Data-Mining-Lösung gewonnen werden.

IT-DIRECTOR: Welche Technologien bilden die Grundlage für Big-Data-Analysen?


T. Cahill: Die Grundlage für Big-Data-Analysen bildet eine Kombinationen von zwei Technologien. Zum einen benötigt man eine Lösung, die in der Lage ist, effizient auf große und schnell wachsende Datenbestände zugreifen kann. Zum anderen braucht man eine moderne BI-Lösung, die entscheidende Aufgaben wie Datenintegration, Reporting, Analyse und Visualisierung übernimmt.

IT-DIRECTOR: Inwieweit können die Auswertungen von großen, unstrukturierten Datenmengen wie Blogs oder sozialen Netzwerken zu einer Verletzung von Compliance-Vorgaben und Gesetzen (z.B. Datenschutz) führen?
T. Cahill: Unternehmen sollen durch Regulierungen nicht daran gehindert werden, Daten für eine fundierte Entscheidungsfindung zu nutzen. Vielmehr sollen sie dazu dienen, Unternehmen davon abzuhalten, diese Daten zu missbrauchen, beispielsweise durch die Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Aus diesem Grund unterliegen der Zugang, die Nutzung sowie die Analyse von Big Data – ob unstrukturiert oder nicht – demselben generellen Schutz und Compliance-Anforderungen. Dies stellt Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit durch ein besseres Verständnis von Daten optimieren wollen, um event- und trendbezogene Marketing- und Vertriebsentscheidungen zu treffen, zwar vor eine Herausforderung, dennoch gibt es hier technologische Lösungen. Die Kombination kommerzieller Open-Source-Technologien und proprietärer Lösungen bietet kosteneffiziente, flexible und skalierbare Vorteile gegenüber traditionellen Angeboten.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns bitte ein konkretes Big-Data-Anwenderbeispiel nennen?
Das Internet-Rabattportal Groupon ist ein gutes Beispiel. In kurzer Zeit hat das Unternehmen neue Strömungen am Markt erkannt, analysiert und entsprechende Strategien entwickelt. Gerade die Social-Media-Plattformen tragen dazu bei, dass sich Empfehlungen von Angeboten schnell verbreiten und sowohl die Nutzerzahl, die mehr als 110 Mio. Abonnenten bedeutet, als auch die Mitarbeiterzahl (über 7.000 Mitarbeiter) in den ersten drei Jahres seit Gründung in Höhe schießen lässt. Gerade im Bereich der Entscheidungsfindung ist hier die Unterstützung durch Reporting- und Analysewerkzeuge, die den Anwendern einen hohen Grad an Interaktion mit den Daten gestatten, gefragt. Für Entscheider sind im Tagesgeschäft besonders Dashboards eine große Unterstützung.


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