Auf Kurs bringen
Für das Controlling liefert Business Intelligence wertvolle Informationen und hilft mit, das Unternehmensschiff auf den richtigen Kurs zu bringen. Die Lösungen entwickeln sich zu intuitiven Systemen und machen die User unabhängig von der IT-Abteilung.

Business Intelligence (BI) steht bei den Unternehmen hoch im Kurs. Mit 54 Prozent hatten 2010 mehr als die Hälfte der nordamerikanischen und europäischen Unternehmen bereits BI-Software implementiert. 25 Prozent planten, entsprechende Lösungen in ihrer Organisation einzuführen. Dies geht aus einer Studie des Marktforschungshauses Forrester hervor, für die mehr als 2.000 Entscheider von Firmen aus den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland und Großbritannien befragt wurden.
Die Verantwortlichen haben den Wert von Business Intelligence erkannt. BI-Systeme sind wichtige Werkzeuge für das Controlling und somit für die Steuerung des gesamten Unternehmens. Sie vereinen eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen. Im Kern geht es beim Thema BI aber um das Reporting und verschiedene Möglichkeiten für die Analyse der gewonnen Daten.
Laut der Forrester-Untersuchung haben 24 Prozent der befragten Manager konkrete Pläne, ihre installierten BI-Lösungen zu erweitern oder ein Upgrade durchzuführen. Damit folgen sie einem Trend: Business Intelligence dehnt sich im Unternehmen aus. BI-Systeme nehmen zunehmend mehr Informationen in ihre Analyse mit auf. Axel Oppermann, Senior Advisor beim Beratungshaus Experton Group, spricht von Mashed-up-Lösungen, bei denen unterschiedliche Datenquellen miteinander verschmelzen. „Alle Daten werden miteinander verbunden und konsolidiert abgebildet“, so Oppermann.
Auf Basis der größeren Informationsmenge, die aus verschiedenen Bereichen der Organisation zusammengetragen wird, kann BI-Technik einen noch größeren Beitrag für die Controlling-Arbeit leisten. „Die Lösungen verknüpfen Daten aus unterschiedlichen Quellen mit Leistungskennzahlen (KPIs), entwickeln interne und externe Benchmarks und unterstützen die Entscheidungsfindung, um das Geschäft voranzubringen“, heißt es in einem Forrester-Report.
Social Media gewinnt an Bedeutung
BI-Lösungen liefern also nicht nur die Datengrundlage für die Steuerung der Firma. Sie helfen auch kräftig dabei mit, das Unternehmensschiff auf den richtigen Kurs zu bringen, indem sie zum Beispiel Planungswerkzeuge zur Verfügung stellen. Business Intelligence entwickelt sich zum Business Performance Management.
Eine wichtige Rolle spielt dabei Technik für Predictive Analytics – also Funktionen, um mögliche Szenarien durchzuspielen und das aktuelle Verhalten nach künftigen Entwicklungen auszurichten. „Dadurch lässt sich zum Beispiel prognostizieren, welcher Kunde wie schnell seine Rechnung zahlen wird“, erklärt Karsten Oehler, Leiter Fachvertriebsberatung und Business Analytics bei IBM. „Das Unternehmen kann dann mögliche Liquiditätsengpässe vorhersehen und sich entsprechend vorbereiten.“
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(Fortsetzung)
Die Daten für solch ein erweitertes Konzept von Business Intelligence kommen nicht nur aus verschiedenen Quellen. Sie können auch in unterschiedlicher Form vorliegen. Für die Unternehmenssteuerung sind neben den strukturierten auch unstrukturierte Daten wichtig. Dazu zählen zum Beispiel Informationen in Word-Dokumenten, E-Mails oder auch Blogs. Vor allem die Inhalte aus Social-Software-Anwendungen gewinnen an Bedeutung. So können zum Beispiel Meinungen von Kunden, die über solche Systeme verbreitet werden, Einfluss auf die Entwicklung eines Unternehmens haben.
Die Integration von Social-Media-Inhalten in die Datenanalyse sieht Oppermann daher auch als Trend beim Thema Business Intelligence. Doch bis solche Konzepte in der Breite umgesetzt werden, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Immerhin arbeiten einige Anbieter bereits an entsprechenden Lösungen, in denen u.a. Text-Mining- und semantische Technologien eine Rolle spielen.
Die Entwicklung hin zu BI-Lösungen, die viele verschiedene Datenquellen nutzen, spricht nach Meinung von IBM-Mann Oehler gegen eine enge Integration solcher Systeme in die Unternehmens-Software (ERP). Große Anbieter wie SAP oder kleinere Hersteller wie Proalpha verfolgen solche Ansätze. Doch Oehler glaubt, dass eine solche Integration nur Sinn ergebe, wenn die komplette ERP-Umgebung von einem Hersteller stammt. Zudem könnten dann Daten aus anderen Bereichen, die nicht vom ERP-System abgedeckt werden, nicht in die Analyse einbezogen werden.
Anbieter Proalpha hält dagegen: Durch die Verknüpfung von BI-Werkzeug und ERP-Software erspart sich das Unternehmen die aufwendige Implementierung eines Data Warehouses. Zudem sei ein Data-Warehouse-Projekt immer mit einer erheblichen Investition verbunden. Erfahrung mit der Kombination aus BI und ERP hat der Software-Hersteller Atoss gemacht. Er nutzt für seine Firmensteuerung eine entsprechende Lösung von Proalpha. Der versprochene Zeitgewinn stellte sich tatsächlich ein: Das gesamte System konnte innerhalb von sechs Wochen implementiert werden. Der Zugriff auf eine Vielzahl von Informationen ist aber nicht nur aufwendig. Er verstärkt auch das Problem, dass die Daten häufig schlecht nutzbar sind. Denn laut dem BI-Spezialisten Informationbuilders klagen Anwender immer wieder über mangelhafte Datenqualität in den BI-Systemen, die Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführen. Vielfach seien die Ursprungsinformationen lückenhaft und widersprüchlich. Informationbuilders empfiehlt daher, schon beim Erfassen und Speichern der Informationen Datenmanagementwerkzeuge einzusetzen, um Fehler rechtzeitig zu erkennen.
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Konsumerisierung der Technologie
Wie in vielen anderen IT-Bereichen ist auch bei BI- und Reporting-Systemen eine Konsumerisierung der Technologie festzustellen. Will heißen: Die Endanwender erwarten, dass sie mit den Lösungen auch ohne die direkte Unterstützung der IT-Abteilung arbeiten können. Sie verlangen nach Self-Service-Funktionen, um die Werkzeuge auch ohne Programmierkenntnisse nutzen zu können und die benötigen Informationen wie zum Beispiel Reports zu erhalten. „Die Fachabteilungen übernehmen das Steuer“, stellt Oppermann fest. Dazu ist es notwendig, dass sich die Lösungen einfacher bedienen lassen. Mitarbeiter im Controlling arbeiten daher häufig noch mit Excel. Die Software ist zwar bei komplexen Aufgaben überfordert, dafür haben die Endanwender keine Probleme, mit der Software umzugehen. „Viele BI-Systeme orientieren sich daher bei der Nutzbarkeit an Büroanwendungen“, berichtet Oehlers.
Das BI-System der Commerzbank etwa ist mit Microsoft Office integriert. Damit lassen sich u.a. auf Basis der BI-Daten automatisiert Präsentationen in Powerpoint erstellen. Die Administration der IBM-Lösung übernimmt die Fachabteilung selbst. Das System soll sich laut Big Blue intuitiv bedienen lassen. Das Anwenderunternehmen spricht von einem erfolgreichen Projekt. „Wir haben den Aufwand und die Zeit für die Bereitstellung des Berichtswesens um 60 Prozent verkürzt“, sagt die Projektverantwortliche Nicole Grothe. Einfache Nutzbarkeit war auch für den Automobil-Zulieferer GAT ein wichtiges Argument. Die Firma setzt u.a. für das Controlling die Unternehmens-Software des Anbieters Varial mit integriertem Reporting-Modul ein. Laut GAT ist das System so einfach zu bedienen, dass manchmal sogar Aushilfen die Dateneingabe übernehmen können.
Bessere Usability ist auch notwendig, um verstärkt so genannte Operational Business Intelligence einzusetzen. Dahinter verbirgt sich das Konzept, mit Hilfe von BI-Technik das Tagesgeschäft in einem Unternehmen zu überwachen und zu steuern. So lassen sich Probleme sofort erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. BI adressiert damit aber nicht mehr länger nur die Führungsebene. „Die Lösungen werden einer breiten Mitarbeiterbasis bereitgestellt und auf allen Unternehmensebenen eingesetzt“, erklärt Oppermann. IBM-Mann Oehlers berichtet zum Beispiel von dem Anwenderunternehmen Sonax, bei dem die Hälfte der 600 Mitarbeiter BI-Funktionen verwendet.
Wenn neue und ursprünglich BI-unerfahrene Anwender mit den Lösungen arbeiten, bedeutet dies ebenfalls, dass sich die Technik einfacher nutzen lassen muss. Hinzu kommt, dass die Daten aus den BI-Systemen sehr schnell – nahezu in Echtzeit – zur Verfügung stehen sollten. Schließlich ist nur so Operational BI umsetzbar. „Bei BI geht es nicht darum, Berichte für die nächsthöhere Führungsebene zu generieren“, meint dazu Klaus Hofmann zur Linden, Technical Manager bei Informationbuilders. „Vielmehr muss BI die richtigen Daten zur richtigen Zeit liefern, um Unternehmen effektiver steuern zu können.“
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Wie für viele anderen IT-Bereich könnte auch für Business-Intelligence- und Reporting-Lösungen das Thema Cloud Computing künftig interessant werden. Forrester berichtet, dass die typischen Cloud-Vorteile wie etwa zum Beispiel geringerer Implementierungsaufwand auch für Business Intelligence aus der Datenwolke sprechen.
Doch bis Firmen BI tatsächlich auf breiter Basis als Cloud-Service nutzen, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Denn offene Fragen zur Datensicherheit und Herausforderungen bei der Integration sind derzeit noch die größten Probleme beim Cloud Computing. Und genau diese beiden Aspekte sind bei Business Intelligence besonders relevant. Schließlich sammeln BI-Lösungen eine Vielzahl von geschäftskritischen Informationen aus vielen verschiedenen Quellen.
Anbieter großer BI-Plattformen
Wer BI-Technologien in seinem Unternehmen einsetzen möchte, dem steht eine ganze Reihe von Produkten zur Auswahl. Einige der Anbieter haben bereits ein sehr breites Set an Werkzeugen in ihrem Portfolio und die verschiedenen Systeme zu Komplettlösungen zusammengefügt. Das Marktforschungsunternehmen Forrester spricht dabei von Plattformen für Enterprise-Business-Intelligence. Zu den Marktführern in diesem Geschäft zählen etwa große Hersteller wie IBM, SAP und Oracle. Diese Anbieter haben sich BI-Kompetenz durch Übernahmen ins Haus geholt und erweitern ihre Plattformen sukzessive durch weitere Akquisitionen. IBM zum Beispiel arbeitet gerade daran, SPSS in sein Angebot zu integrieren und somit seine Möglichkeiten zur Datenanalyse weiter auszubauen. Damit konkurriert Big Blue laut Forrester besonders mit dem Software-Anbieter SAS, der in diesem Bereich traditionell seine Stärken besitzt. Da SAS natürlich gewachsen ist, stellt der BI-Spezialist nach Meinung der Analysten eine Plattform zur Verfügung, deren Technologien nahtlos miteinander integriert sind.
Weitere Top-Anbieter von großen BI-Plattformen sind Informationbuilders und Microstrategy. Forrester zählt auch Microsoft zur Führungsriege. Die Redmonder hätten sich durch Akquisitionen mit Technologien für die Datenqualität und das Masterdatenmanagement verstärkt und so die Lücken in diesen Bereichen geschlossen. Zudem werde auch Sharepoint in die BI-Strategie einbezogen. Hinter dieser Gruppe von Marktführern identifizieren die Forrester-Experten weitere Anbieter, die im Markt für Enterprise-BI-Plattformen gut aufgestellt sind. Dies sind Tibco Spotfire, Actuate, Qliktech sowie Panorama.
Bildquelle: © dononeg/iStockphoto.com
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
IT-Infrastrukturen: Ruckzuck von 0 auf 100
Software
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