Thomas S. Senger, Kofax
Capture und BPM verschmelzen
Im Gespräch mit Thomas S. Senger, Senior Vice President EMEA Software & Solutions bei Kofax, über künftige strategische Ziele und die zunehmende Bedeutung mobiler Lösungen für die Dokumentenerfassung, neudeutsch Mobile Capture

„Capture und BPM verwandte Märkte“, erklärt Thomas S. Senger, Senior Vice President bei Kofax.
IT-DIRECTOR: Herr Senger, Kofax hat im vergangenen Jahr sein Hardwaregeschäft abgestoßen und setzt nun ganz auf die Erfassung von Informationen im Unternehmen – Stichwort Capture. Zusätzlich hat man in das Thema „Mobile Capture“ investiert und danach den irischen Business-Process-Management-Anbieter (BPM) Singularity übernommen. Welche Strategie steht dahinter?
T. Senger: Im Kern sehen wir uns als ein Anbieter von Softwarelösungen für das Geschäftsprozessmanagement mit Capture-Funktion. Dazu gehört, dass wir alle marktgängige Hardware unterstützen und nicht selbst als Konkurrent, beispielsweise zu Scannerherstellern, auftreten. Der Management-Buy-Out der Hardwaredivision durch Dicom war insofern ein logischer Schritt. Dasselbe gilt für unsere Investition in mobile Technologien, denn Tablets und vor allem Smartphones gehören mittlerweile zum Unternehmensalltag. Unternehmen wollen Informationen so früh wie möglich erfassen, idealerweise direkt dort, wo sie entstehen, also am „Point of Origination“. Für uns ist Mobile Capture daher ein wichtiger Zukunftsmarkt.
Der Einstieg in den BPM-Markt hat zwei Hauptgründe: Einerseits ermöglicht er unseren Kunden, erfasste Informationen über den gesamten Weg im Unternehmen hinweg zu steuern. Auf der anderen Seite bietet uns das Geschäftsprozessmanagement die Möglichkeit, den für uns adressierbaren Markt erheblich auszuweiten.
IT-DIRECTOR: Das Management und die Automatisierung von Geschäftsprozessen stehen in Unternehmen gerade hoch im Kurs. Welche Vorteile bietet der kombinierte Kofax-/Singularity-Ansatz?
T. Senger: Kunden werden auf verschiedenste Weise von der Capture-fähigen BPM-Plattform profitieren: Sie können sowohl die Erfassungsprozesse automatisieren als auch die nachgelagerten Prozesse, die benötigt werden, um diese Informationen effektiv einzusetzen. Es muss nur noch in eine einzige Plattform investiert werden, mit der sich alle kritischen Geschäftsprozesse automatisieren lassen.
Hinzu kommt, dass sich die Kombination von Kofax und Singularity problemlos in die bestehende ECM-Infrastruktur von Unternehmen einbinden lässt. Die Singularity-Lösung ist für eine enge Integration mit Microsoft Sharepoint sowie Dynamics CRM ausgelegt und lässt sich im eigenen Rechenzentrum, in einer Private Cloud oder im Rahmen eines Software-as-a-Service-Modells (SaaS) betreiben.
IT-DIRECTOR: BPM wird an zahlreichen Stellen benötigt, nicht nur bei der Erfassung von Informationen. Wollen Sie sich als Spezialanbieter positionieren oder BPM als eigenständigen Geschäftsbereich weiter entwickeln?
T. Senger: Aus unserer Sicht – und zahlreiche Analysten teilen diese Auffassung – sind Capture und BPM verwandte Märkte. Wir wollen diese Märkte mit einer gemeinsamen Vertriebs- und Support-Organisation gezielt entwickeln; hierzu bauen wir auch auf unsere strategischen Partner und Systemintegratoren. Im ersten Schritt sorgen wir für eine enge Verzahnung der beiden Welten, mittelfristig werden wir eine integrierte Plattform entwickeln, die die Lösungen beider Unternehmen in einer Plattform anbietet. Bisher gab es keine Capture-fähige BPM-Plattform auf dem Markt. Insofern kann man uns wohl, zumindest bis Wettbewerber auftreten, als Spezialanbieter bezeichnen.
IT-DIRECTOR: Im Bereich Mobile Capture haben Sie unlängst eine OEM-Partnerschaft mit Mobiflex und eine Beteiligung an dem Unternehmen bekannt gegeben. Wo sehen Sie die wichtigsten Einsatzgebiete für diese Technologie?
T. Senger: Die Einsatzgebiete sind vielfältig. Drei Beispiele verdeutlichen das Potential von Mobile Capture: Bereits heute erfassen unsere Kunden aus dem Bankenbereich Milliarden von Seiten im Zusammenhang mit Kreditanträgen, etwa bei Immobilienfinanzierungen. Je früher diese Dokumente erfasst werden, umso weniger Zeit vergeht bis zur Kreditvergabe.
In der Versicherungsbranche können mobile Lösungen bei der Dokumentation von Schadensfällen helfen. Mit einem Smartphone lassen sich Beweisfotos aufnehmen, Dokumente scannen und direkt in die Schadensabteilung transferieren. Auch die zeitkritische Logistikbranche sucht immer nach Optimierungspotential. Ohne Dokumentation ist weder eine Auslieferung noch Rechnungsstellung möglich. Hier wird enorm viel Papier bewegt. Die mobile Erfassung von Dokumenten bietet Fahrern, Lieferanten und Empfängern eine höhere Flexibilität und beschleunigt die Geschäftsprozesse. Wir sind davon überzeugt, dass die Kreativität unserer Kunden noch zahlreiche weitere Einsatzszenarien für die Technologie hervorbringen wird.
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
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Software
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