14.03.2012
Virtualisierung, Infrastruktur
Von: Ingo Steinhaus

Betriebssysteme

Der Erfolg von Windows 8

Windows 8 kann sehr erfolgreich werden - auf dem Tablet und dem PC. Ein Hinweis darauf: Die Konkurrenten werden nervös und reagieren leicht hektisch.


Windows 8 auf einem Tablet-PC

Als die ersten Meldungen über Windows 8 auftauchten, hieß es sofort: Das kann nicht klappen. Dann wurde die Developer Preview ausführlich getestet und viele Leute rangen sich ein Lob ab. Inzwischen wirken die direkten Konkurrenten ein wenig panisch.

Apple kündigt für den Sommer 2012 ein rasches Update von OS X 10.7 ("Lion") auf 10.8 ("Mountain Lion") an. Nach nur einem Jahr erscheint eine neue Version, die laut Apple die Integration von iOS-Funktionen weiter voranbringen soll. Diese Ankündigung kommt überraschend. So sind die Neuerungen in OS X 10.8 eigentlich nicht besonders aufregend, da sie lediglich iOS-Standards auf dem Mac verfügbar machen.

Auch Google wird wohl aktiv, denn in der Android-Gerüchteküche hieß es: Bald erscheint Android 5. Es soll für auch Notebooks geeignet sein und entweder alleine oder als Zweitsystem neben Windows 8 arbeiten. Dabei soll das Umschalten ohne Neustart geschehen. Auch dies wirkt recht übereilt. Das gerade erst veröffentlichte Android 4 hat sich am Markt noch nicht durchgesetzt und ist erst auf einem knappen Prozent der Android-Geräte installiert.

Die plötzliche Hektik scheint damit zusammenzuhängen, das die Reaktionen auf Windows 8 einen recht großen Erfolg des Betriebssystems nahelegen. Außerdem berichtet Microsoft in einem Blog regelmäßig sehr offen und äußerst detailliert über Interna des neuen Systems - eine Kaskade aus Veröffentlichungen ist die Folge.

Offensichtlich haben die Konkurrenten rasch entschieden, diesem recht wirkungsvollen Hypemarketing etwas entgegenzusetzen, und seien es halbgare Überlegungen. Dabei ist der Erfolg von Windows 8 noch längst nicht sicher. Es muss nicht nur super sein, sondern sich auch super verkaufen. Doch es gibt auf jeden Fall ein paar Dinge, die Vater des Erfolgs von Windows 8 sein könnten:

  • Auslieferung auf neuen PCs. Die PC-Hersteller werden innerhalb sehr kurzer Zeit nur noch Modelle (Desktop, Notebook, Ultrabook) mit Windows 8 anbieten. Allein dies wird zu einer weiten Verbreitung des neuen Systems führen - vor allem, weil die Systemanforderungen nicht gestiegen sind und das neue Windows somit auch auf kostengünstigen Lowend-PCs arbeitet.
  • Auslieferung auf x86-Tablets. Klassische PC-Hersteller fremdeln ein wenig mit der ARM-Architektur, sie sind aber Experten für die x86/x64-Plattform. Sie erlaubt leistungsfähige Highend-Tablets mit allem Drum und Dran, der bei Notebooks üblich ist. Es wird sicher genügend Anwender geben, die den Komfort von Notebook und Touchscreen verbinden wollen.
  • Konkurrenz für Android. Nach kurzer Zeit werden sicher alle großen Hersteller von Android-Tablets Windows 8 unterstützen - alleine schon, um nicht auf Dauer von einem System abhängig zu werden.
  • Windows 7 als Upgrade-Pfad für Unternehmen. Microsoft will Windows 7 zumindest für Unternehmen noch lange Zeit unterstützen und eine gewissen Zeit sogar Lizenzen dafür anbieten. Da Windows 8 auf dem Desktop (Metro einmal weggelassen) ein aufgebohrtes 7er-System ist, können Unternehmen die geplanten Win7-Rollouts einfach ausführen. Üblicherweise ist mit einem Systemwechsel auch ein Hardware-Rollout sowie eine Aktualisierung von Geschäftsanwendungen verbunden. Diese Investitionen sind relativ sicher, die Unternehmen können ihre Systeme jederzeit ohne große (?) Änderungen an Software und Hardware auf Windows 8 aktualisieren - oder vorläufig darauf verzichten.
  • Business-Tablets. Das Tablet-Windows lässt sich ähnlich wie sein Desktop-Zwillingsbruder relativ leicht und sicher in die IT-Infrastruktur eines Unternehmens integrieren. Dabei ist ein Aufstieg auf Windows 8 weder für vorhandene Clients noch für Server die Voraussetzung. Das dürfte Business-Tablets auch für Konzerne mit eher konservativer IT-Denke attraktiv machen.
  • Echte Integration von Office. Jedes Windows-Tablet enthält eine originale Version von Office 15 mit Word, Excel, Powerpoint und OneNote. Angesichts der immer noch hakeligen Nutzung von Office-Dokumenten auf den Konkurrenz-Geräten werden manche Anwender umsteigen. In vielen Unternehmen dürfte das Office-Argument schlagend für den breiten, erstmaligen Einsatz von Tablets sein. Vor allem eine gut ausgestattete Powerpoint-Version kann Windows-Tablets in Unternehmen recht schnell zu einem Standard für das Präsentieren mit und ohne Beamer machen.
  • Tablet-Apps für den Desktop. Die Entwickler von populären Apps wie Evernote oder Flipboard werden sicher relativ bald ihre Apps auf Windows-Tablets portieren. Da Metro-Apps auch auf jedem Desktop-PC oder Notebook mit Windows 8 laufen, dürfte die damit erreichbare Anwendermasse die Portierung attraktiv machen.
  • Media-Tablets. Die praktischen und leichten ARM-Tablets werden mehr und mehr zu einem Ersatz für den heimischen PC. Wer den Rechner lediglich für Mail, Facebook, gelegentliche Informationssuche im Internet und sonst vorwiegend als Unterhaltungsmaschine nutzt, benötigt im Prinzip keinen Desktop-PC mehr. Mit Windows 8 hat Microsoft eine Position in diesem Markt bezogen. Dank der Bekanntheit von Windows dürfte hier ein großes Wachstum möglich sein.
  • Breit gespreizte Gerätepreise. Ähnlich wie im Markt der Desktop-PC ist bei den Windows-Tablets - je nach Plattform, Display-Größe und Ausstattung - eine attraktive Preisstruktur möglich. Vor allem günstige Einsteigermodelle dürften den Markt stark befeuern.

Bildquelle: Microsoft


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