IT sorgt für volle Regale
Die Trends im Handel
Laut der „Global Retail CIO Studie 2011“ von Aldata planen 39 Prozent der Unternehmen in den USA und Europa die Investition in neue IT-Systeme für die Bedarfsplanung. Udo Meyzis, Geschäftsführer des Softwareunternehmens SAF, weiß warum.

Udo Meyzis ist Geschäftsführer beim Softwarehaus SAF
IT-DIRECTOR: IT-gesteuerte Bedarfsplanung – ist das der neueste Trend im Handel?
U. Meyzis: Das Prinzip ist nicht neu. Handelsketten wie zum Beispiel dm drogeriemarkt disponieren schon seit vielen Jahren automatisch. Auf Basis der historischen Abverkaufsdaten eines Artikels berechnet die Prognosesoftware von SAF für dm, was die Kunden in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten kaufen werden. So können die Disponenten den Bedarf viel besser planen, sie vermeiden Regallücken und reduzieren gleichzeitig den Bestand im Lager. Immer mehr Händler setzten auf IT-gestützte Disposition, da sie unter hohem Wettbewerbsdruck stehen und ihre Kosten soweit es geht reduzieren müssen. Aktuelle Entwicklungen im Handel erfordern heute noch intelligentere, noch leistungsfähigere IT-Lösungen für die Bedarfsplanung. Online-Handel ist ein solcher Trend, der eine große Auswirkung auf die Logistik und damit die Bedarfsplanung hat.
IT-DIRECTOR: Laut dem Bundesverband des deutschen Versandhandels bringt das Online-Geschäft heute fast zwei Drittel des Branchenumsatzes. Was hat das für Auswirkungen?
U. Meyzis: Die Disposition wird dadurch viel komplexer. Und die Logistik ist eine ganz andere, die Produkte werden versandt, es gibt viele Retouren etc. Eine Dispositionssoftware muss hier besonders viele Faktoren berücksichtigen. Zum einen natürlich die Parameter, die den Verkauf beeinflussen, wie Feiertage, saisonale Schwankungen oder Werbeaktionen. Darüber hinaus müssen die unterschiedlichen Vertriebskanäle mit ihrem jeweiligen Absatz und den Rückläufern im System hinterlegt sein. Nur dann kann die Software eine zuverlässige Aussage über den zukünftigen Bedarf machen.
IT-DIRECTOR: Gibt es noch andere Trends, die die IT-gestützte Bedarfsplanung beeinflussen?
U. Meyzis: Eine Produktgruppe, die Händler heute noch genauer unter die Lupe nehmen als früher, sind Frischeartikel. Sie sind extrem schwer zu disponieren – auch im Hinblick auf die Software. Das liegt vor allem am Verfallsdatum, frische Produkte kann man ja nicht beliebig lange lagern. In vielen Supermärkten werden Obst und Gemüse gleich im Eingangsbereich platziert. Ein Mitarbeiter besprüht sie regelmäßig mit Wasser, damit sie auch wirklich frisch aussehen, das sieht man zum Beispiel in Amerika sehr häufig. Doch was hilft all das, wenn die Körbe nicht ansprechend gefüllt sind? Um das zu gewährleisten, muss der Händler immer eine gewisse Stückzahl vorrätig halten – aber nie zu viel, da die Produkte sonst verderben. Das ist eine Gratwanderung. Hier genügt es nicht, den Verkauf der Produkte für die nächste Woche vorherzusagen, so wie es beispielsweise bei vielen Drogerieartikeln gemacht wird. Bei Frischware muss man tages- oder sogar stundengenau wissen, wie groß die Nachfrage sein wird. Wir nennen das untertägige Prognosen. Die sind noch komplexer und stellen deshalb besondere Anforderungen an eine Prognosesoftware.
IT-DIRECTOR: Ganz allein kann ein Händler die Produktverfügbarkeit ja nicht sicherstellen…
U. Meyzis: Genau deshalb zeichnet sich ein weiterer Trend ab: die Tendenz zu kooperieren. Noch sind Händler und Hersteller hierzulande sehr zurückhaltend, wenn es um den Austausch von Daten geht. Doch das wandelt sich. Händler stellen Herstellern immer öfter lang- oder mittelfristige Prognosen über den Abverkauf zur Verfügung, damit diese ihre Produktion exakter planen und gegebenenfalls rechtzeitig ausbauen können. Und auch bei den Herstellern wächst das Bewusstsein, dass sie die Warenverfügbarkeit beim Händler im eigenen Interesse gewährleisten müssen. Sonst kann es nämlich sein, dass der Kunde auf ein Konkurrenzprodukt ausweicht. Dann macht der Händler den gleichen Umsatz und nur der Hersteller geht leer aus.
IT-DIRECTOR: Worauf kann sich eine gute Bedarfsplanung noch auswirken?
U. Meyzis: Die Bedarfsplanung ist die Basis für eine erfolgreiche Lieferkette. Das geht weit über die Disposition des Händlers oder die Zusammenarbeit mit den Herstellern hinaus. Wir nennen das Demand Driven Supply Networks. Wenn ein Händler den Kunden kennt, kann er viele logistische Prozesse optimieren. Und noch mehr. Er kann zum Beispiel seine Einkaufsstrategie daran ausrichten, kann langfristig planen und mit seinen Lieferanten verhandeln. Oder er kann seine Preispolitik gemäß der zu erwartenden Nachfrage anpassen. Aus dem Kundenbedarf können also direkte Verbindungen zu Planungs- und Einkaufsprozessen abgeleitet werden. Voraussetzung dafür sind natürlich die richtigen Daten und eine leistungsfähige Software.
IT-DIRECTOR: Ist die Menge an Daten nicht ein Problem?
U. Meyzis: Bisher ist das noch überschaubar. Je komplexer die Prognosen und die Dispositionssysteme jedoch werden, desto größer werden auch die Datenmengen. Die Lösung der Zukunft: In-Memory Datenbanken. Wir arbeiten derzeit an einer Lösung, bei der alle Informationen direkt im Speicher der Rechner gehalten werden. Das würde die Rechen- und Prognosezeit für den Kunden drastisch verkürzen. Statt sechs Stunden würde er dann vielleicht nur noch drei Sekunden für eine Simulation brauchen. Und Zeit ist Geld – auch im Handel.
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
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Software
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