Innovationskultur
Innovation: Wenig Rückhalt in Unternehmen
Die Innovationskultur wird in Unternehmen oft beschworen, aber selten wirklich gelebt. Das war vor mehr als zehn Jahren auch nicht anders - wie ein Blick in neue und alte Studien lehrt.

Kreativität nach Vorschrift: Bitte schön ordentlich
"Die Möglichkeit, während der Arbeitszeit erfolgversprechende Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen, besteht eher selten." - "Das Abteilungsdenken ist nach wie vor stark ausgeprägt." - "Das selbständige, eigenverantwortliche und kreative Handeln der Mitarbeiter wird eingeschränkt." - "Unzureichende Förderung von kreativ denkenden Mitarbeitern."
Diese Äußerungen stammen aus der Studie "Innovationskultur als Erfolgsfaktor" von Prof. Dr. Dietmar Vahs, dem Leiter des Change Management Instituts (CMI) der Hochschule für Technik in Esslingen. Viele Angestellte in kleinen und großen Unternehmen können das unterschreiben - Innovation und Unternehmen sind oft Gegensätze.
Das ist erstaunlich, denn die Studie stammt aus dem Jahr 1999. Sollte sich in dem guten Dutzend Jahren nichts geändert haben? Wo doch praktisch jedem die Ohren klingeln von den vielen Fensterreden zu Innovation, Vision und Kreativität. Wer aktuelle Forschungsergebnisse zur Innovationskultur in Unternehmen auswertet, kommt zu diesem Schluss.
Kreativität ist nicht hoch angesehen
Zum Beispiel die Studie "Corporate Creativity 2011 - Erfolgsfaktor Innovationskultur" von Jens-Uwe Meyer, Geschäftsführer der Innovationsberatung "Die Ideeologen". Sie beschreibt Erschütterndes: "In fast drei von vier Unternehmen findet Kreativität kein oder nur geringes Ansehen. In jedem zehnten von uns befragten Unternehmen heißt es sogar: 'Wer Visionen hat, gilt als Spinner.'"
Meyer hat in seiner Studie eine ganze Reihe von Faktoren identifiziert, die Innovationen behindern. So sind unter anderem die richtigen Unternehmensstrukturen entscheidend. "Kreativität und Innovation benötigen flache Hierarchien, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und schnelle Entscheidungen," betont der Innovationsexperte.
In der Realität gilt oft das genaue Gegenteil: Gut 85 Prozent der Unternehmen setzen eher auf eine festgefügte Struktur. "In den meisten Unternehmen ist das Erfinden neuer Produkte streng durch entsprechende Prozesse geregelt. Regeln dominieren dort so sehr, dass man von 'Kreativität nach Vorschrift' sprechen kann", beschreibt Meyer seine Erkenntnisse im Harvard Business Manager.
Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt ein Whitepaper der Managementberatung Unity. Erfolgreich sind Unternehmen mit einer ausgeprägten Innovationskultur, die sich durch stetigen Wandel und permanentes Lernen auszeichne. Mit einer Haltung vom Typ "Bloß keine Experimente" ist Innvovation kaum zu erreichen. Dafür benötigen die Mitarbeiter Freiräume, meinen Rolf Stübbe und Anna Erett von Unity.
Schutz des eigenen Geschäftsmodells
Das klassische Beispiel für eine erfolgreiche Innovationskultur hat praktisch jeder Angestellte heute auf dem Schreibtisch: Die Haftnotizen, die ursprünglich von 3M erfunden wurden. Der Technologiekonzern erlaubt Mitarbeitern, 15 Prozent der Arbeitszeit für Experimente zu "verschwenden". Nicht immer gibt es Ergebnisse, aber manchmal entstehen Milliardenseller.
Die deutschen Unternehmen aus der Ideeologen-Studie hätten dieses Produkt wohl nicht ohne weiteres entwickeln können, denn seine Erfindung war nicht planbar. Unbekannt ist, wie viele Fehlschüsse 3M für diesen einen Riesentreffer brauchte. In vielen Unternehmen gilt: Wenn der Erfolg nicht sofort kommt, wird ein Projekt schnell wieder eingestampft.
Vor allem große Unternehmen kämpfen gegen Beharrungskräfte durch ausufernde Bürokratie und starre Strukturen. Doch abseits aller schön klingenden Forderungen nach Innovationsmanagement und -kultur: Eine echte Neuerung ist den Unternehmen oft schlicht zu umstürzlerisch.
Das ist aus Firmensicht im eigenen Interesse: "Wieso sollte ein Unternehmen, dass ein erfolgreiches Geschäftsmodell verfolgt, überhaupt nach disruptiven Innovationen suchen?" fragt der Unternehmensberater und Geschäftsführer der Otherland Group Markus Breuer. "Diese beinhalten ja auch die Gefahr, das eigene Geschäftsmodell zu gefährden."
Bildquelle: Thomas K. / pixelio.de
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
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