06.09.2011
Business Intelligence
Von: Ingo Steinhaus

Business Intelligence

Malen nach Zahlen?

Business Intelligence ist mehr als ein Zahlenwust in poppig-bunten Datenwürfeln. Einige aktuelle Studien informieren über die Entwicklung des Markts.


Business Intelligence-Tools werden immer beliebter

"Hype oder Mehrwert?" fragt BDO Deutschland in einer Studie zum Trendthema "Business Intelligence (BI)". Die deutschlandweit durchgeführte Studie zeigt: Für rund drei Viertel der 432 befragten Unternehmen hat Business Intelligence einen hohen oder sogar sehr hohen Stellenwert in der Unternehmenssteuerung.

Allerdings nutzt nur etwa die Hälfte der Studienteilnehmer bereits eine BI-Lösung. Diese Lücke zwischen Trend und Wirklichkeit dürfte die Hersteller von BI-Software freuen, denn offensichtlich handelt es sich um einen Markt mit Potential. Tatsächlich plant die Hälfte der Teilnehmer ohne BI bereits für die nähere Zukunft den Einsatz einer entsprechenden Lösung.

Trotz der offensichtlichen Wachstumschancen scheinen die Claims bei BI-Software abgesteckt zu sein. Mehr als ein Drittel der genutzten Anwendungen kommt von SAP und ein Viertel von Microsoft. Die übrigen Lösungen verteilen sich auf SAS, IBM/Cognos, Oracle/Hyperion, Qlik Tech und eine Vielzahl von Nischenanbietern.

Unübersichtlicher Markt mit 220 Lösungen

Die altbekannten Größen im Business- und Office-Bereich teilen den Markt also unter sich auf. Trotzdem gibt laut einer Erhebung des Hamburger Beratungshaus SoftSelect eine Angebotsvielfalt von mindestens 220 BI-Lösungen. Das sieht nach einem fragmentierten und unübersichtlichen Markt aus, über den sich nur schwer ein Überblick verschaffen lässt.

Erfahrungsgemäß hilft diese Marktsituation vor allem den großen Anbietern mit den riesigen Marketingbudgets - mit Microsoft und SAP kann man nichts falsch machen, denkt da manch ein IT-Einkäufer. Doch vielleicht findet sich in der Nische ein Anbieter mit einer passgenauen Lösung für spezielle Anforderungen?

Wer alle Optionen der einzelnen Lösungen vergleichen möchte, benötigt einen umfassenden Marktüberblick, zum Beispiel die aktuelle "SoftTrend Studie 261 - BI Software 2011" von SoftSelect. Die Studie berücksichtigt 51 Anbieter mit 70 BI-Lösungen. Ein ähnlichen, aber auf Spezialanbieter gerichteten Schwerpunkt hat die Marktstichprobe mit dem Titel "Business Intelligence als Kernkompetenz".

Das Beratungsunternehmen Lünendonk hat für diese Studie im vergangenen Jahr 32 Software-Unternehmen analysiert, die mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit BI-Produkten erwirtschaften. Die bekannten IT-Konzerne gehören deshalb nicht dazu, da Business Intelligence bei ihnen lediglich eines von vielen Produkten ist.

Technologische Basis prüfen

Für die Bewertung der BI-Lösungen kam es den Analysten nicht so sehr auf die Benutzeroberfläche an, mit der Anbieter die Kunden zu überzeugen versuchen. "Der entscheidende Erfolgsfaktor einer Business-Intelligence-Lösung liegt in der Qualität der Daten", erläutert Michael Gottwald, Geschäftsführer der SoftSelect GmbH.

"Gute Daten sind einheitlich strukturiert, vollständig, konsistent, korrekt und stets aktuell.", so Gottwald. "Nur wenn diese Qualitätskriterien erfüllt sind, liefert eine BI-Lösung verlässliche Resultate liefern. Anderenfalls gibt es falsche Ergebnisse und somit möglicherweise fatale Fehlentscheidungen."

Doch gerade bei Datenqualität und Performance zeigt die SoftTrend-Studie deutliche Unterschiede zwischen den Lösungen. Interessierte sollten daher einen prüfenden Blick auf die technologische Basis und die Funktionalitäten von Data Warehouse, Data Mining & Co. werfen und weniger auf eine bunte Benutzeroberfläche. "Ein BI-System ist nur so gut wie seine Datenbasis", betont Michael Gottwald.

In der BDO-Studie zeigt sich, dass heiß diskutierte Themen beim Einsatz ganz plötzlich abkühlen und sich der Blick auf die Lösungen deutlich verändert. Wer erst in der Einsatzplanung steckt, gibt der Datensicherheit (13%) eine hohe Priorität und findet die Möglichkeit der intuitiven Datenanalyse weniger wichtig (5,5%). Mit etwas Praxiserfahrung dreht sich das Verhältnis um: Wenige BI-Nutzer (5,5%) finden die Datensicherheit verbesserungswürdig, aber viele (12,5%) erkennen Nachholbedarf bei der intuitiven Datenanalyse.

Der BI-Markt wächst dauerhaft

Außerdem ist vielen Unternehmen die Präsentation der Daten wichtig. Die Studie hat auch hier Verbessungsmöglichkeiten ermittelt. Etwa 20% der BI-erfahrenen Teilnehmer sehen Nachholbedarf bei der Benutzerfreundlichkeit und 16% bei der Gestaltung von individuellen Dashboards oder Cockpits für die Datenpräsentation. Diese Zahlen zeigen, dass die hohe Datenqualität im Alltag durch gute Oberflächen ergänzt werden muss.

Aus allen drei Studien lässt sich ablesen, dass der BI-Markt wächst und wächst - und zwar praktisch ohne Unterbrechung. Selbst die Wirtschaftskrise nach 2007 konnte den Herstellern nicht viel anhaben.Dies liegt laut der Lünendonk-Studie zum einen daran, dass Bl-Systeme auch für kleinere Unternehmen erschwinglicher geworden sind. Zum anderen sind es inbesondere Banken, die die Unternehmen zur Einführung von Bl-Software drängen: Sie sind bei der Kreditvergabe auf schnell zugängliche und aussagekräftige Unternehmensdaten angewiesen.

Dieser wachsende Markt wird in erster Linie von Inhouse-Lösungen dominiert, doch SaaS ist auf dem Vormarsch. Allerdings gibt es nur etwa jede zweite Lösung auch als Mietmodell - wenig im Vergleich mit CRM- oder ERP-Lösungen. Unternehmen tun sich offensichtlich noch immer schwer, die sensible Daten an externe Dienstleister auszulagern. Mit Grund: Business Intelligence analysiert alle zentralen Firmeninfos, die nicht nur für das eigene Management interessant sind.

Bildquelle: Marko Greitschus / Pixelio.de


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