Prozessmanagement
Prozesse ohne Führung
“Business Process Management (BPM)” wird viel diskutiert, aber nicht konsequent umgesetzt, meinen Zürcher Wirtschaftsforscher. Der Grund: Das Topmanagement kümmert sich zu wenig.

Geschäftsprozesse: Vorweigend dokumentiert
Was ist mit den Prozessen? Die Antwort in vielen Unternehmen lautet ganz schlicht "Da gibt es einen Foliensatz, da ist alles drin dokumentiert", gefolgt von der freundlichen Anweisung "Jetzt halt dich dran". Oft ist das schon alles und zahlreiche Unternehmen besitzen noch Mengen an nicht-dokumentierten Geschäftsprozessen.
Das spricht nicht für einen hohen Reifegrad, resümieren die Autoren einer Studie von über 200 Unternehmen und Institutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Untersuchung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften widmet sich dem Status des "Business Process Management (BPM)".
Ein grundlegendes Ergebnis: Fast überall werden Prozesse dokumentiert. Nur bei 3% der befragten Unternehmen gibt es überhaupt keine Prozessdokumentation. Mehr als die Hälfte ihrer Prozesse haben aber nur 38% dokumentiert und lediglich 17% der Unternehmen haben mehr als 75% der Prozesse formell aufgezeichnet.
Das wichtigste Ergebnis der Forscher lautet also: Prozessmanagement bedeutet in vielen Unternehmen vorwiegend Dokumentation und Modellierung von Prozessen. "Nur ein kleinerer Teil bemüht sich bislang ernsthaft um ein konsequentes Prozessmanagement", pflichtet der BPM-Experte Thomas Allweyer bei.
Der Fachautor und Professor an der FH Kaiserslautern kritisiert vor allem das Fehlen einer systematischen Anbindung an die Unternehmensstrategie. Laut der Zürcher Studie werden nur bei 14% der Befragten die Geschäftsprozesse mehrheitlich oder vollständig von der Unternehmensstrategie abgeleitet.
Eine solche Ableitung schließt für Allweyer auch organisatorische Änderungen wie zum Beispiel die Ernennung eines Verantwortlichen für das Prozessmanagement ein. Doch immerhin 28% der Unternehmen haben überhaupt keine speziellen Rollen für das Prozessmanagement eingeführt. BPM hat dort offensichtlich den Status eines Nebenjobs.
Etwas beliebter ist Business Process Outsourcing (BPO), also das Auslagern kompletter Geschäftsprozesse. Es wird von 34% der Unternehmen bereits genutzt oder steht kurz vor der Einführung. Allerdings werden vorwiegend IT-Prozesse ausgelagert: Jedes zweite Unternehmen hält dieses Gebiet für einen guten Outsourcing-Kandidaten.
Trotz der guten Ansätze müssen die Autoren der Studie feststellen: "Der Reifegrad von BPM in Organisationen hat noch keine signifikante Stufe erreicht." Als Haupthindernis für die umfassende Einführung von BPM nennen die Befragten immer wieder die fehlende Unterstützung durch das Führungsteam. Das Ergebnis der Studie: "Für die erfolgreiche Umsetzung von BPM ist die Involvierung des Top-Managements unumgänglich."
Bildquelle: memephoto / pixelio.de
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
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