Radio Frequency Identification
Schrittweise in die Zukunft
Ein Kommentar von Michel Dorochevsky, CTO der Softcon AG, über RFID als zukunftsweisende Technologie

Michel Dorochevsky ist CTO der Softcon AG.
Immer mehr Großunternehmen in Deutschland aus Produktion, Transportwesen und Handel planen den Einsatz von RFID-Technologie (Radio Frequency Identification). Weitere Branchen wie die Textilwirtschaft schließen sich dem Trend an. RFID-Projekte sollten jedoch nur aus den richtigen Beweggründen und mit dem richtigen Partner an der Seite gestartet werden.
Die Technologie RFID stellt einen Quantensprung in der automatisierten Identifikation von Objekten dar. Durch den automatisierten Zugriff und die Verarbeitung von Informationen vor Ort bietet sie großes Potential für Prozessoptimierungen und ermöglicht zahlreiche neuartige Lösungen zur weitgehenden Automatisierung von Logistik-, Service- und Produktionsprozessen. Speziell im Bereich der Instandhaltung ist heute schon eine große Nachfrage nach dem Einsatz von RFID zu beobachten.
Vorteile bietet die Technologie hier vor allem mit Blick auf das Asset Management und die Wartung. Jedes Produkt kann sofort registriert, erfasst und von der Verwaltung aufgenommen werden – und man hat jederzeit den Überblick, wie viele Geräte und Anlagen einer Art in welchem Zustand sich im Unternehmen befinden. Die Qualität der Wartungsmaßnahmen kann aufgrund der sicheren Identifikation und besseren Nachvollziehbarkeit erhöht werden. Denn nur wenn der RFID-Tag eingelesen wurde, lässt sich nachweisen, dass der Techniker vor Ort und am „richtigen“ Objekt aktiv war.
Speziell Unternehmen aus der Industrie erkennen diese Vorteile und haben hier eine Vorreiterrolle übernommen. In der chemischen Industrie ermöglicht RFID beispielsweise ein besonders effizientes Behältermanagement. Druckbehälter müssen hier besonders hohen Anforderungen genügen, da sie häufig gefährliche Stoffe enthalten. Regelmäßige Prüfzyklen sind hier enorm wichtig.
Neben diesen klassischen Einsatzmöglichkeiten erschließen sich aber auch anderen Branchen wie der Textilindustrie interessante Einsatzszenarien. Ende 2009 hat Gerry Weber erfolgreich gezeigt, dass RFID zur Optimierung der Logistikabläufe und der Prozesse im Einzelhandel wie auch zur Warensicherung eine große Zukunft in diesem Sektor besitzt. Das Pflegeetikett wurde hier um RFID erweitert und vereint so Warensicherung, Herstellerangaben zur Pflege und den Elektronischen Produktcode. Auch kleinere Unternehmen im Bekleidungssektor folgen diesem Beispiel und gehen mehr und mehr dazu über, sich mit dieser Technologie zu beschäftigen und zu überlegen, wie sie diese für ihre Zwecke nutzen können. Bei solchen Spezialanfragen geht es meist um eine bessere Überwachung interner Logistikprozesse.
Künftig wird aber auch die Nachfrage nach mobilen Szenarien steigen. Smartphones und Tablet-PCs bieten für Industrieumgebungen zwar nicht die ausreichende Robustheit wie Industrie-Handhelds. Für den Büroeinsatz eignen sich diese jedoch, um Informationen auszutauschen, Pläne darzustellen und Objekte eindeutig zu identifizieren.
Unterstützend kommt hier die Near Field Communication (NFC) als Übertragungsstandard zum kontaktlosen Transfer von Daten über kurze Strecken zum Einsatz. Dahinter versteckt sich RFID-Technologie mit passiven Tags für verbindungslose Übertragung und als Datenträger von Informationen. Primär für E-Payment und E-Ticketing gedacht, bieten sich aufgrund der steigenden Verbreitung von NFC-fähigen Endgeräten – wie Smartphones – neue Anwendungsfelder, speziell auch im Service und der Instandhaltung. Eine Trendwende steht mit Einführung von NFC als „RFID für die Massen“ unmittelbar bevor.
Lange Entscheidungsprozesse sind der häufigste Grund dafür, dass sich in der Industrie RFID-Projekte bislang noch nicht in breiterem Maßstab durchgesetzt haben. Die Technologie ist zwar ausgereift, vielen Unternehmen mangelt es jedoch noch an entsprechendem Know-how. Daher ist es zwingend notwendig, auf die Expertise eines entsprechenden Partners zurückzugreifen, der als Systemintegrator den Gesamtprozess kontrolliert und die für das jeweilige Projekt passenden Komponenten und Partner zusammenstellt.
Ein technologisch hochinteressantes Projekt zu starten, sollte aber auf keinen Fall die einzige Motivation sein, um die RFID-Technologie im Unternehmen einzuführen. Nur wenn das Ziel eine spürbare Prozessverbesserung ist, kann das Projekt auf lange Sicht erfolgreich und einen sinnvolle Investition sein. Dies kann sich auch in Form von Qualität ausdrücken, selbst wenn sich ein monetärer Gegenwert zu Beginn oft schwer aufzeigen lässt. Die qualitativen Prozessverbesserungen für das Unternehmen führen aber in der Regel mittelfristig zu signifikanten Kosteneinsparungen und Wettbewerbsvorteilen.
Wichtig ist in jedem Fall, das Gesamtbild im Auge zu behalten. Denn dies verhindert, dass man sich zu viel vornimmt oder im Detail verzettelt. So empfiehlt es sich, in überschaubaren Schritten vorzugehen. Ein sinnvolles Vorgehen besteht z.B. im Herausgreifen eines Teilbereichs, in dem die RFID-Technologie zuerst eingeführt wird. Basierend auf diesen Erfahrungen lassen sich dann die nächsten Schritte planen und weitere Bereiche umstellen. Der richtige Partner behält über den gesamten Projektzeitraum den Überblick, unterstützt mit Know-how und garantiert so eine erfolgreiche Umsetzung.
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
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