17.11.2011
Branche, Personalmanagement
Von: Esther Günes

Thomas Eggert, TDS

Verschiedene Kanäle nutzen

Interview mit Thomas Eggert, Geschäftsführer TDS HR Services & Solutions GmbH, über Personalrekrutierung in Zeiten des Web 2.0.


„Soziale Netzwerke sind eine interessante Plattform für die Darstellung des eigenen Unternehmens sowie den (Erst-)Kontakt mit Interessenten und Bewerbern", meint Thomas Eggert, Geschäftsführer TDS HR Services & Solutions GmbH.

IT-DIRECTOR: Auf welchem Wege rekrutieren Großunternehmen heute ihr Personal?
T. Eggert:
Die Rekrutierung erfolgt über mehrere parallele Kanäle – von der klassischen Stellenanzeige in Printmedien über die eigene Website bis hin zum Einsatz Sozialer Netze. Insgesamt geht der Trend jedoch ungebremst in Richtung elektronischer Bewerbung. Zum Beispiel über so genannte Bewerberportale. Dies führt nämlich auch zu erheblichen Vorteilen bei internen Abläufen, da die Unterlagen standortübergreifend zur Verfügung stehen. Dies ist auch einer der Gründe, warum Unternehmen verstärkt Leistungen rund um das Bewerbermanagement bei uns nachfragen. Wir digitalisieren beispielsweise auch Bewerbungen, die als Print-Unterlagen ankommen, und stellen sie über Bewerberportale zur Verfügung. Somit haben Personaler alle Unterlagen in einer einheitlichen elektronischen Form vorliegen – unabhängig davon, wie sie von den Bewerbern abgeschickt worden sind.

IT-DIRECTOR: Bitte beschreiben Sie, wie das von Ihnen angebotene Bewerbermanagement funktioniert.
T. Eggert: Für unsere Kunden übernehmen wir bei Bedarf das komplette Bewerbermanagement. Dies reicht von der Erstellung und Veröffentlichung der Ausschreibung über die Erfassung und Bewertung der eingehenden Bewerbungen bis zur kompletten organisatorischen Abwicklung. Letzteres umfasst auch die Korrespondenzverwaltung, Qualifikationsbewertung und Auswahl, Terminplanung und Bereitstellung aller Daten. Das gilt sowohl für die klassische Papierform als auch für Onlinebewerbungen über ein entsprechendes Portal.

IT-DIRECTOR: Was halten Sie davon, Personal über soziale Netzwerke zu rekrutieren? Haben Sie Social-Media-Funktionen in Ihre Personalmanagement-Software integriert? Wenn ja, wie sind die Resonanzen der Anwender?
T. Eggert: Soziale Netzwerke sind eine interessante Plattform für die Darstellung des eigenen Unternehmens sowie den (Erst-)Kontakt mit Interessenten und Bewerbern. Entscheidend dabei ist, die jeweiligen Spezifika der einzelnen Plattformen zu beachten und zielgerichtet vorzugehen. Denn auch die Unternehmensseiten in Sozialen Netzen müssen kontinuierlich gepflegt werden.

Eine direkte Integration in unsere Software bieten wir derzeit nicht an, diese wird bislang jedoch auch nicht nachgefragt. Von den Personalabteilungen wird eher das Modell bevorzugt, Bewerber nach der erfolgreichen Erstkontaktaufnahme auf Bewerberportale weiterzuleiten. Denn diese sorgen für einheitliche, elektronisch vorliegende Bewerbungsunterlagen, die sich effizient für den weiteren Prozess nutzen lassen.

IT-DIRECTOR: In welchen Foren und Plattformen liegt Ihrer Ansicht nach das größte Potential, qualifizierte Spezialisten zu finden?
T. Eggert: Wir beobachten eine deutliche Trennung zwischen privaten Inhalten, die meist über Facebook geteilt werden, und beruflichen Aspekten, für die sogenannte Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn genutzt werden. Daher lassen sich qualifizierte Spezialisten am besten über Xing oder LinkedIn rekrutieren. Facebook bewährt sich meiner Einschätzung nach lediglich bei der Suche nach Azubis. Die Anzahl der Mitglieder und der Umfang der Aktivitäten auf Google+ sind derzeit noch zu gering, um daraus momentan aussagekräftige Schlüsse ziehen zu können. Allerdings ist mittelfristig mit einer stark wachsenden Bedeutung dieser Plattform zu rechnen.

IT-DIRECTOR: In welchen Branchen ist zurzeit die größte Nachfrage an Software für die Personalrekrutierung mittels Web 2.0?
T. Eggert: Branchenspezifische Unterschiede sind unserer Erfahrung nach nicht feststellbar. Generell ist jedoch das Interesse bei Unternehmen der Privatwirtschaft höher als bei Einrichtungen der öffentlichen Hand.

IT-DIRECTOR: Woran liegt es, dass viele Unternehmen sich bisher vor der Einbindung von Social-Media-Tools in ihre Bewerberprozesse scheuen?
T. Eggert: Einerseits kommen hier rechtliche Unsicherheiten zum Tragen: Während bei Business-Netzwerken wie LinkedIn oder Xing die Problematik vernachlässigbar ist, scheuen sich viele Personaler, Informationen aus Facebook umfassend zu verwenden. Andererseits sind die Schnittstellen der Sozialen Netzwerke nicht homogen, so dass der Aufwand der Einbindung teilweise erheblich wäre.

IT-DIRECTOR: Auf welchem Wege rekrutieren Sie Personal?
T. Eggert: Auch wir sprechen Interessenten und Bewerber über verschiedene Instrumente und Kanäle an. Die Bandbreite reicht von klassischen Printanzeigen in regionalen und überregionalen Zeitungen sowie Fachzeitschriften, über Messen, Job-Plattformen im Internet, die eigene Website mit einem Bewerberportal bis hin zu Bewerberseiten in sozialen Netzen.


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