17.06.2011
Software-Entwicklung

Werner Beckmann, Itemis

Interview mit Werner Beckmann, Senior IT Consultant bei der Itemis AG


IT-DIRECTOR: Herr Beckmann, welchen Trend erkennen Sie derzeit im Bereich „Software-Entwicklung“?
W. Beckmann:
Projekte werden "schneller": Kunden und Anwender wollen schnell erste Ergebnisse sehen, andererseits können sie weniger Zeit in die Anforderungsanalyse stecken, weil sie wiederum in Prozesse eingebunden sind. Änderungswünsche kommen ebenfalls schneller auf. Projekte mit langen Analysephasen werden seltener. Daher werden zunehmend Projekte agil umgesetzt.

Wir beobachten in letzter Zeit, dass die Nachfrage nach agiler Projektumsetzung rapide steigt. Flexibilität in den Architekturen ist Pflicht. Die entwickelten Anwendungen im Unternehmensbereich setzen zunehmend Service-Konzepte ein, ohne eine unternehmensweite SOA vorauszusetzen. Webservice-Schnittstellen sind heute etablierter Standard.

Die Entwicklung passt sich der Flexibilisierung an: Entwickler verwenden vermehrt integrierte Werkzeuge, oft Open Source, für eine schnellere Abwicklung und passen sich den Rahmenbedingungen an. Beispiel: GIT als flexible, dezentrale Source-Code-Versionsverwaltung, vermehrter Einsatz von Entwicklungswerkzeugen zur Qualitätssicherung.

Continuous Integration bezeichnet die Strategie, durch Werkzeuge früh und häufig ausführbare Software zu bauen und automatisiert zu testen – Fehler fallen früh auf, Änderungen sind so schneller einzubauen.

Entwickler setzen vermehrt domänenspezifische Sprachen (domain specific languages, DSL) ein, um aufwändige Arbeiten zu automatisieren, etwa für Konfigurationen.

Im Bereich Embedded Systems ist die Verwendung von DSLs und durchgängigen Werkzeugketten ein wesentliches Mittel, um Entwicklungszeiten zu vermindern.

IT-DIRECTOR: Welche Vorgehensmodelle sind in der Software-Entwicklung derzeit auf dem Vormarsch und warum?
W. Beckmann:
Agile Vorgehensmodelle, insbesondere Scrum, verbreiten sich mit hoher Geschwindigkeit. Die Nachfrage nach Scrum steigt sehr stark. Kunden versprechen sich davon eine höhere Flexibilität bei Änderungen und somit eine stärkere Fokussierung und Sicherung der Investitionen als bei langfristigen Planungen.

IT-DIRECTOR: Inwiefern spielen Standardisierungen eine Rolle in der Software-Entwicklung?
W. Beckmann:
Die Bedeutung nimmt zu, jedoch ändern sich die Technologien sehr schnell – eine formale Standardisierung ist oft nicht erreichbar. Vor wenigen Jahren war CVS das beliebteste Versionskontrollsystem, derzeit ist es SVN, demnächst vermutlich GIT.

Andererseits bilden sich in der Entwickler-Community de-facto-Standards wie Spring, SVN und GIT. Eclipse als Entwicklungsumgebung: Hier bietet die informelle Standardisierung einen hohen Nutzen, weil Entwicklungswerkzeuge miteinander kommunizieren können, etwa für PMD oder FindBugs für Source- Code-Qualitätsmessungen, Sonar zur Darstellung verschiedener Messungen und die Entwicklungsumgebung Eclipse als gemeinsamer Rahmen.

IT-DIRECTOR: Wovon ist es abhängig, welche Programmiersprache verwendet wird?
W. Beckmann:
Wesentliche Kriterien sind…
…Investitionssicherheit für die Kunden: Schulungen, Lizenzen und Infrastruktur müssen beschafft werden und sich rentieren.
…effiziente Nutzbarkeit für komplexe Projekte: Häufigste Vertreter sind heute objektorientierte Sprachen wie Java oder C# bzw. .NET.
…Verfügbarkeit von Bibliotheken für den Einsatzzweck, etwa für moderne Web-Anwendungen
…Performanz und Akzeptanz beim Benutzer durch moderne Maskengestaltung und hohe Ausführungsgeschwindigkeit

IT-DIRECTOR: Welche Bedeutung schreiben Sie Software-Tests zu?
W. Beckmann:
Software-Tests sind integraler Bestandteil der agilen Entwicklung mit Scrum: Die in kurzen Zyklen entwickelten Software-Bausteine werden getestet – automatisiert und manuell. Automatisierte Tests können vor allem wiederholt ausgeführt werden, was die Stabilität maßgeblich sicherstellt. Fehlentwicklungen werden zeitnah erkennbar.


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