Verbraucher lieben Rechnungskauf
Zahlungsmethoden im Online-Handel
Das Angebot vielfältiger Zahlungsmethoden gehört heute zu den wichtigen Erfolgsfaktoren für Online-Händler. Rechnungs- und Ratenkauf werden im Internet noch vergleichsweise selten angeboten, obwohl sie in der Gunst der Verbraucher weit oben stehen.

Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin beim E-Commerce-Dienstleister Ratepay
Laut der „Consumer Survey“ von Affilinet vom Ende des vergangenen Jahres kauft über ein Viertel der Deutschen monatlich mindestens viermal im Internet ein – 61 Prozent gibt dabei mindestens fünfzig Euro aus. Der Bundesverband des deutschen Versandhandels meldet, dass 2010 der Umsatz auf diesem Sektor gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf 25 Milliarden Euro gestiegen ist. Shoppen im Netz liegt im Trend. Allein in der Bundesrepublik gibt es rund 50.000 Webshops.
Wenn Webshops folgende Punkte beachten, können sie sich von Mitbewerbern positiv abheben und eine höhere Konversionsrate erzielen: Gute durchdachte Gestaltung des Internet-Auftritts, Warenvielfalt, einfacher, logischer Bestellvorgang als Service – und Flexibilität bei den Zahlungsmethoden. Dabei stehen Online-Händler vor der Herausforderung, den Spagat zwischen eigenen Bedürfnissen und den Wünschen der Konsumenten zu schaffen. Zentrale Fragen sind: Bei welchen Zahlungsmethoden habe ich als Händler das geringste Risiko? Und: Wie bezahlen die Verbraucher am liebsten? „Am größten ist die Diskrepanz bei den Verfahren, bei denen der Shopbetreiber in Vorleistung tritt, wie dies etwa beim Kauf auf Rechnung der Fall ist“, kommentiert Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin beim E-Commerce-Dienstleister Ratepay. Bestätigung erfährt diese Aussage in der im April 2011 von ibi research vorgelegten Studie „Zahlungsabwicklung im E-Commerce – Fakten aus dem deutschen Online-Handel“, für die Angaben von 412 Online-Händlern ausgewertet wurden. Nur 45 Prozent der Befragten bieten den Kauf auf Rechnung an. Damit liegt diese Methode deutlich hinter den Zahlarten „Vorauskasse“ (83 Prozent) und Paypal (60 Prozent). Und dies, obwohl die Shopbetreiber sogar selbst den Kauf auf Rechnung als beliebteste Bezahlmethode bei den Verbrauchern einstufen: Die Akzeptanz bei deutschsprachigen Kunden wird mit der Note 1,4 bewertet, auf Platz zwei folgt Paypal mit der Note 2,2.
Stiefmütterchen Ratenzahlung
Noch deutlicher tritt das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage beim Ratenzahlungskauf zutage. Das Marktforschungsunternehmen GfK hat Ende des vergangenen Jahres im Auftrag des Bankenfachverbandes ermittelt, dass 2010 rund 38 Prozent der deutschen Konsumenten Konsumgüter über einen Kredit finanzierten. Die Wachstumsrate gegenüber 2009 lag bei 13 Prozent. Immer häufiger werden dabei die im Vergleich zum Dispositionskredit günstigen Ratenkredite beim Warenanbieter in Anspruch genommen. Der stationäre Handel hat schon reagiert, zunehmend werden so genannte Point-of-Sale-Kredite angeboten, teilweise mit 0%-Finanzierung. Dahinter bleibt der Online-Handel noch deutlich zurück. Gerade einmal vier Prozent der Shopbetreiber bieten die Zahlung per Finanzierung oder den Kauf auf Raten an, so jedenfalls die ibi-research-Studie. Laut Wohlfarth liegen die Gründe auf der Hand: „Internethändler befürchten, dass sie ihre Waren ausliefern, dafür aber kein Geld bekommen. Potenziert wird diese Angst noch dadurch, dass es im Netz keinen persönlichen Kundenkontakt gibt.“
Ausfallrisiko beseitigen
Branchenunterschiede beachten
Um die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage zu überwinden, interessieren sich immer mehr Shopbetreiber – laut ibi-research-Studie 45 Prozent – für externe Dienstleister, die ihnen das Zahlungsausfallrisiko abnehmen. „In der Praxis sieht das dann so aus, dass der Händler von dem Dienstleister den Gesamtbetrag zeitnah überwiesen bekommt, sowohl beim Rechnungs- als auch beim Ratenzahlungskauf“, berichtet Wohlfarth. Da Shopbetreiber in der Regel weder über die Ressourcen noch die Expertise in diesem Bereich verfügen, sollten externe Dienstleister die gesamte Abwicklung der Zahlungsvorgänge für sie übernehmen. Das heißt: aufwändige Prozesse wie die Rechnungserstellung, die Überwachung der Zahlungseingänge und gegebenenfalls die komplette Durchführung von Mahnverfahren liegen im Verantwortungsbereich des Dienstleisters. Im Falle des Ratenkaufs sollten Webshops auf das PostIdent-Verfahren verzichten, weil die Internet-Kunden anderenfalls nicht sofort einkaufen können, sondern erst noch zu einer Poststelle gehen müssen, um sich zu identifizieren. Die Abbruchquote der Käufe ist hier Wohlfarth zufolge sehr hoch. Besonderes Augenmerk sollten Webshops beim Rechnungs- und Ratenzahlungskauf auf das Risikomanagement legen. Im Rahmen der Bonitätsprüfung gehört dazu die Zusammenarbeit mit Informations- und Servicepartnern wie beispielsweise Schufa, Bürgel oder Creditreform. Unterstützung erhält der Händler durch ein umfassendes und flexibles Echtzeitscoring mit mehrstufigem Punktesystem. „Welche Parameter dabei zu berücksichtigen sind und wie eng das Raster für den Konsumenten letztlich ist, sollte der Händler in Abstimmung mit dem Dienstleister selbst bestimmen können“, bemerkt Wohlfarth.
Webshops müssen sich im Klaren darüber sein, dass das potenzielle Ausfallrisiko stark schwankt. Wer Elektronikartikel verkauft, ist eher gefährdet als ein Möbelversandhändler. Von der Risikoklasse und den Parametern, die der Webshop im Rahmen des Echtzeitscoring einstellt, hängt auch der Preis für die Dienstleistung ab. Händler zahlen laut Wohlfarth zwischen 3,5 und 7 Prozent des Warenwertes. Dafür übernimmt der Dienstleister den gesamten Zahlungsprozess – und auch das komplette Risiko, wenn der Kunde nicht zahlt.
Die Gefahr, dass die Verschuldung privater Haushalte durch das Angebot der Ratenzahlung im Onlinegeschäft zunimmt, schätzt sie als „nicht sehr hoch“ ein. Das Sicherheitsnetz, das durch die Echtzeit-Bonitätsprüfung gespannt wird, ließe sich beispielsweise durch einen Ratenkalkulator mit transparenter Anzeige der Zins- und Tilgungsbelastung für den Konsumenten verdichten. Wohlfarths Fazit: „Mehr Zahlungsmethoden bedeuten eine Absenkung der Kaufabbruchquote, mehr Umsatz, eine stärkere Kundenbindung – und durch den Wegfall des Ausfallrisikos erhöht der Händler ganz nebenbei auch noch die Liquidität seines Geschäfts.“
Titelinterview
mit Stefan Maierhofer, Senior Director für Zentral- und Osteuropa bei F5 Networks
Titelthema
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