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28.06.2011
Von: Marina Ziegler

Social Media im Handel

Web 2.0 als E-Business-Instrument

70 Prozent der deutschen Handelsunternehmen sind auf Facebook aktiv, 44 Prozent sind auf Twitter oder Youtube präsent und 30 Prozent nutzen Xing. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Handelsinstituts EHI Retail Institute und des Dialogmarketing-Spezialisten Artegic.


Die Großen der Branche betrachtet, bestätigt sich schnell, dass viele Handelsunternehmen im Social Web zu finden sind: Lidl, Rewe, Aldi und Metro über die Vertriebslinie Real interagieren beispielsweise mit ihren Fans auf Facebook. Lidl hält zudem seine Twitter-Follower regelmäßig auf dem Laufenden. Mit vereinzelten Accounts im Social Web schaffen die Handelsunternehmen jedoch Inseln des Kundenkontakts im Internet, die außerhalb der eigenen Website und damit außerhalb ihrer E-Business-Strategie liegen. Auf das E-Business zahlen die Social-Media-Aktivitäten im Endeffekt also noch wenig ein. In den kommenden Monaten wird es daher wichtig sein, die ersten Gehversuche der Handelskonzerne im Social Web zu professionalisieren und Insellösungen gegen integrierte Ansätze zu ersetzen.

„Zu den Zielsetzungen der heutigen Social-Media-Kampagnen gehören häufig eine engere Kundennähe und ein verbessertes Image. Im Idealfall aber sollten die Social-Web-Aktivitäten auch die monetäre Zielsetzung der Unternehmen unterstützen”, erklärt Mario Grobholz, Gründer und Geschäftsführer von myON-ID Media, dem Anbieter der iMedia Lounge, dem Social Media Content Management System (SCMS), das Unternehmen hilft, Social-Media-Aktivitäten nahtlos in das bestehende E-Business zu integrieren. Er ergänzt: „Facebook, Twitter, Youtube, Flickr und Co. sind der ideale Ort für die Zielgruppenansprache – gekostet und gekauft wird nach wie vor auf der Corporate Website des Händlers.” Die eigenen „vier Interwände” werden also weiterhin der Ort sein, an dem Handelsunternehmen ihr E-Business oder ihren E-Commerce realisieren werden. Die Herausforderung liegt daher darin, das Social Web mit seinen Inhalten und Nutzern nahtlos mit der bestehenden Webseite zu einem intelligenten Kreislauf zu verzahnen.

Der Social Media Newsroom

Beim Experten weiter nachgefragt, zeigt sich, dass es verschiedene Wege gibt, um diesen Kreislauf herzustellen. Einer davon ist der Social Media Newsroom, der dezentrale Präsenzen auf Facebook, Twitter, Blogs, Youtube, Flickr und anderen Social-Media-Plattformen auf der Corporate Website vereint. Dadurch werden die Inhalte von den externen Social-Media-Diensten und deren Schnittstellen unabhängig – und lassen sich folglich im eigenen Markendesign präsentieren. In der eigenen Datenbank gespeichert sind Facebook-Posts und Tweets dauerhaft abrufbar. Das ist auch ein Plus für die Suchmaschinenoptimierung. Durch die automatische Aggregation aus den Social-Media-Quellen und Präsentation im eigenen Social Media Newsroom können Unternehmen schnell und dynamisch kommunizieren – ohne zusätzlichen redaktionellen Aufwand.

Während der Social Media Newsroom Inhalte aus externen Quellen auf der Corporate Website aggregiert, lassen sich durch die Integration von Social-Media-Elementen auf der Website Unternehmens- und Produktinformationen zurück ins Social Web transportieren, um dort von viralen Effekten zu profitieren. In einem Online-Shop – wie ihn viele Handelskonzerne mittlerweile führen – ist es zum Beispiel denkbar, dem Kunden anzubieten, den getätigten Kauf oder die eigene Wunschliste Freunden auf Twitter, Facebook und anderen Netzwerken mitzuteilen. Incentives wie ein Rabatt für Kunden, die beim Kaufabschluss ihre Freunde auf Facebook darüber informieren, motivieren den Kunden zur Mundpropaganda im Social Web. Eine Möglichkeit, diesen Prozess zu fördern ist es, den Facebook-Post oder Tweet in einen Affiliate-Link zu verwandeln. Hierdurch erhalten Kunden immer dann einen Discount, wenn ein Freund den Link anklickt beziehungsweise darüber einen Kauf abschließt. Die Einbindung von sozialen Elementen ist aber nicht nur für Händler mit Online-Shop attraktiv: Auch Unternehmens- und Produktinformationen, Blog- und Web-TV-Beiträge können Vehikel für virale Effekte sein. Alles was im realen Leben beliebt ist, funktioniert auch im Social Web – und kann dort eine noch stärkere Schlagkraft erreichen.

Blogbeiträge von Hobbyköchen

Mit wenig Aufwand lassen sich Kunden auch über ein themennahes Informationsportal auf dem Laufenden halten und binden. Beispiel Lebensmittelhandel: Hier kann ein Themenportal Sinn machen, das relevante Informationen über das Kochen aus dem Social Web aggregiert. Das können Blogbeiträge von Hobbyköchen sein, die ihre Rezepte mitteilen, Twitter-Nachrichten, die über Gaumenfreuden berichten oder auch Youtube-Videos zum Thema Kochen. Die gezielte Zusammenstellung dieser Inhalte aus dem Social Web verspricht eine enorme Vielfalt, die Kunden immer wieder auf die Website bringt. Der Clou dabei ist, dass diese Themenportale sich vollautomatisiert aus dem Social Web heraus generieren lassen und aktualisiert werden – ganz ohne eigene Redaktion und damit zu deutlich geringeren Kosten.

Ein Social-Web-TV-Konzept ist für den Handel ebenfalls ein guter Ansatz – beispielsweise mit Sendungen, in denen Praxis-Tipps gegeben und neue Produkte vorgestellt werden. Die iMedia Lounge ermöglicht es beispielsweise, einen eigenen Videokanal auf Basis von Youtube mit der Corporate-Website zu verbinden. Auf der Webseite können Unternehmen Youtube als professionelle und kostenlose Video-Plattform nutzen, ohne jedoch die Besucher von der Seite wegzuverlinken. Dabei wird Youtube nahtlos und ganz individuell im Corporate Design integriert.

Es bieten sich also vielfältige konzeptionelle Möglichkeiten, um das Eco-System zwischen dem Social Web und der eigenen Website herzustellen. „Unternehmen sollten hierbei zwei Dinge beachten: Zunächst muss die technische Grundlage geschaffen werden, um die Social-Media-Welt mit der eigenen Website flexibel zu verzahnen. Im zweiten Schritt folgt die inhaltliche Planung und Umsetzung der Social-Media-Strategie. Um diesen Kreislauf in Gang zu setzen und dauerhaft in Gang zu halten, müssen inhaltlich attraktive Kampagnen und Aktionen initiiert werden. Wer das schafft, verwandelt das Social Web von einem Kommunikations- in ein Vertriebswerkzeug, das sich täglich selbst verstärkt”, schlussfolgert Mario Grobholz.

Bildquelle: Gerd Altmann/Pixelio.de


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