„Cloud Computing schafft die Möglichkeit, die Unternehmens-IT dynamisch den Markt- und Unternehmensanforderungen anzupassen. Um dies zu realisieren, müssen Chancen und Risiken jetzt offen diskutiert und erste Erfahrungen gesammelt werden. Wer nicht handelt bleibt zurück“, bringt Carlo Velten, Senior Advisor bei der Experton Group, auf den Punkt. Standen Unternehmen in Deutschland dem Einsatz von ITaaS-Modellen bislang eher skeptisch gegenüber, deutet sich jetzt eine Trendwende an. In den vergangenen zwanzig Monaten ist nach Untersuchungen der Experton Group die Zahl der Lösungen und Einsatzgebiete für ITaaS deutlich gestiegen.
Für immer mehr Anwendungsbereiche werden Lösungen in einem „… as a Service“ -Nutzungsmodell angeboten. Immer mehr Unternehmen wagen den ersten Schritt und starten Planungs- und Evaluierungsprojekte. Mit größtenteils positiven Ergebnissen, wie die Berater im Rahmen ihrer Studie feststellten. Viele der verfügbaren Angebote haben demnach bereits einen Reifegrad erreicht, der eine effiziente Nutzung zulässt. Am häufigsten nutzen die befragten Unternehmen nach eigenem Bekunden ITaaS-Angebote in den Segmenten Kommunikation, Zusammenarbeit, Office (u.a. Mail-Archivierung, Mail und PIM, Web Conferencing, etc.). Ebenfalls häufig kommen das Nutzen eines zentralen Arbeitsplatzes und IT-Sicherheitsangebote zum Zuge. Es folgen in der Reihenfolge der Nennungen Systemmanagement und Anwendungsentwicklung, ERP, Informationsmanagement, Ressourcenmanagement und Speicherlösungen, Customer Relationship Management (CRM), Supply Chain Management (SCM), Business Intelligence (BI) sowie sonstige Anwendungen.
Berührungsängste schwinden
Immer mehr Dienstleistern gelingt es, die drei kritischen Faktoren von Cloud Computing: Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit für den Anwender nachvollziehbar zu gewährleisten. Eine Strategie, die auch Hewlett Packard mit seinem "Cloud Assure"-Angebot verfolgt. Cloud Assure adressiert alle drei Kriterien und stellt den Anwendern zudem ein Expertenteam zur Seite, das Sicherheits- und Performancetests durchführt und die Verfügbarkeit der Services überwacht. Software-Module kontrollieren die Angreifbarkeit eines Cloud Service auf Web-Applikations-, Middleware-, Betriebssystem- und Netzwerk-Ebene, überprüfen, ob die Cloud Services die benötigten Anforderungen an Bandbreite und Verfügbarkeit erfüllen und überwachen Cloud-basierte Anwendungen, um die IT-Ursachen für eventuelle Probleme auf Anwender- oder Geschäftsprozessebene zu identifizieren.
"Der Markt ist zwar noch jung, aber Kunden investieren bereits und erste ROI-Betrachtungen liefern positive Ergebnisse. Es gibt eine Realität hinter dem Hype", bestätigt Detlef Straeten, Distinguished Engineer, Global Technology Services bei IBM Deutschland. Mit LotusLive bietet IBM beispielsweise ein fertiges Cloud-Angebot zur Online-Zusammenarbeit. Über LotusLive können Unternehmen auf zahlreiche Services zugreifen – von E-Mail und Webkonferenzen bis zu einer integrierten Familie von Collaboration-Lösungen in einer sicheren Umgebung. Die Stärken von Cloud Computing zeigen sich laut IBM auch in der Integration verschiedener Cloud Services. So integrieren Salesforce.com und IBM die Funktionen von CRM und Online-Zusammenarbeit mit LotusLive. Benutzer von Salesforce.com können so beispielsweise Kunden und Kollegen zu Online-Konferenzen einladen, mit ihnen Dokumente teilen oder auch gemeinsame Aktivitäten bearbeiten.
Im Juni 2009 hat IBM das „Smart-Business"-Cloud-Portfolio angekündigt, das Cloud-Service und -Technologie in unterschiedlichen Formen bereitstellt. Dieses Portfolio stellt Automatisierungstechnologie und Selbstbedienungsmöglichkeiten für unterschiedliche digitale Aufgabenstellungen zur Verfügung, wie zum Beispiel Software-Entwicklung und -Testing, Desktop- und Device-Management oder Collaboration-Aufgaben. Als erste Pakete sind Cloud-Angebote für Softwareentwicklung und -erprobung sowie für virtuelle Desktops verfügbar. Für die Zukunft sind weitere Angebote geplant, dabei soll es bald auch möglich sein, Software von IBM-Partnern über eine Cloud-Infrastruktur zu beziehen. Schon jetzt unterstützt IBM Softwarehersteller (ISVs) dabei, eigene cloud-fähige SaaS-Anwendungen zu entwickeln und zu vermarkten.
Cloud Computing verändert den Dienstleistermarkt
"Einer der wichtigsten Trends der vergangenen zwei Jahre ist der Übergang von "Managed Service" als einem IT-Bereich zu einem wirklichen IT-Service. Diese Entwicklung wurde im Wesentlichen durch die verstärkte Adaption der dritten Version der IT Infrastructure Library – auch ITIL 3 genannt – getrieben", bekräftigt Ferenc Szelényi (siehe Foto), Managing Director EMEA von Dell Perot Systems, einem weltweit tätiger Anbieter von Informationsdienstleistungen. Das Leistungsportfolio von Perot Systems beinhaltet Beratungsdienstleistungen in den
Bereichen Strategie, Prozess und Technologie, hinzukommen Dienstleistungen rund um die Entwicklung, Integration und Wartung von Softwareanwendungen sowie Dienstleistungen im Bereich Infrastrukturmanagement. Eine zunehmende Bedeutung erlangt das Angebot der Übernahme kompletter Prozesse für Kunden im Rahmen eines Business Process Outsourcing. Als beispielhafte Anwendungen, bei denen mittels "Managed Services" Geschäftsprozesse optimiert und effizienter gestaltet werden können, nennt er die Patientenverwaltung im Krankenhaus oder das Customer Relationship Management. "Sinnvolle Service Level Agreements und Leistungskennzeichen gewährleisten die Qualität. Unsere Kunden sind somit flexibler und können schneller sowie unmittelbarer auf veränderte Anforderungen des Marktes reagieren", so Szelényi.
Nach Ansicht des Dortmunder IT-Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Materna hebt Cloud Computing die IT auf eine Funktionsebene, die in einem direkten Bezug zu den Geschäftsprozessen steht. Cloud Computing trägt nach Einschätzung der Berater zum Siegeszug standardisierbarer Themen bei, die ein hohes Rationalisierungspotential haben. Neben CRM-Applikationen wie Salesforce.com sieht Uwe Scariot, Leiter der Business Unit Information bei Materna, ebenfalls im Service-Management und ITIL-Umfeld ein großes Potential. Cloud Computing wird nach seinen Worten das Angebot an IT-Leistungen verbreitern und preiswerter machen. Die in der Cloud angebotenen Leistungen werden zwar Einzug in die unternehmenseigenen Rechenzentren halten, sie aber nicht auflösen. Die zentrale Aufgabe der IT wird es sein, einen optimalen Servicekatalog aus dem vorhandenen Angebot zu orchestrieren. Das heißt, einzelne Anwendungsprogramme werden ablaufbezogen kombiniert, um so Geschäftsprozesse optimal zu verbinden.
Zudem wird Cloud Computing nach Ansicht von Scariot den Dienstleistermarkt nachhaltig verändern. "Mittels Cloud Computing lassen sich Standard-Services künftig preiswerter beziehen. Dies wird einen massiven Einfluss auf den Dienstleistungssektor haben, so dass etwa kleinere Billiganbieter tendenziell verschwinden. Unternehmen wie Materna sind gefordert, mit den Cloud-Anbietern zusammenzuarbeiten, um beispielsweise das Wissen um die Entwicklung geschäftskritischer Fachanwendungen einzubringen. Dies wird nach wie vor benötigt, um die Integration dieser Systeme in die automatisierte Cloud zu unterstützen", so Scariot.
Managed Services müssen übersichtlicher werden
Positive Bewertungen gibt es auch von dem Kölner Systemhaus Pironet NDH. „Derzeit sind Marktprognosen zu Cloud Computing zwar noch verhalten zu interpretieren. Doch angesichts der Anforderungen der ersten mittelständischen Anwender sehen wir uns beim Thema Cloud Computing auf dem richtigen Weg", erklärt Felix Höger, Vorstand bei Pironet NDH. „Gerade mittelständische Unternehmen bevorzugen Cloud-Dienste aus einer Hand von einem IT-Service-Provider. Diesen Bedarf adressieren wir bereits heute mit ganzheitlichen Angeboten für Software as a Service, Corporate Networks und Storage an Demand."
Auch den Vorbehalten gegenüber Cloud Computing hinsichtlich Sicherheit, Compliance und Kontrollverlust begegne man, so Felix Höger: „Wir produzieren unsere On-Demand-Dienste in unserem eigenen Hochleistungsrechenzentrum. So können unsere Kunden sicher sein, dass ihre Daten innerhalb Deutschlands gespeichert werden. In punkto Anpassbarkeit von Cloud Services setzen wir auf Partnerschaften mit Integrationsdienstleistern, die etwa unsere SaaS-Lösungen auf spezielle Kundenanforderungen zuschneiden."
Matthias Kraus, verantwortlicher Research Analyst bei IDC, sieht allerdings noch großen Aufklärungsbedarf beim Thema Cloud Computing: „IT-Anbieter sollten bestrebt sein, die Kommunikation weiter zu intensivieren und den Nutzen von Cloud Computing stärker in den Vordergrund zu stellen, etwa durch Case Studies oder ROI-Analysen. Sie sollten zudem darauf bedacht sein, dass der Kunde die Konzepte versteht." Hier weiß sich Pironet-Vorstand Felix Höger in der Pflicht. „Das Angebot im Markt stellt sich sehr unübersichtlich für Unternehmen dar. Allerdings erhält das Thema Cloud Computing durch das Engagement großer Anbieter wie Google, Amazon und Microsoft stärkere Aufmerksamkeit bei Unternehmen. Hier wollen wir dem Informationsbedarf im Mittelstand durch den Ausbau unserer Kommunikation begegnen."
Die Erwartungen, die Anwender an die Nutzung von ITaaS-Modellen knüpfen, sind hoch. Anwender verbinden mit diesem Ansatz zahlreiche positive Effekte sowohl für die Informationstechnologie als auch die Geschäftsprozesse. Wie die Untersuchung der Experton Group zeigt, zählen aus Sicht dieser Unternehmen insbesondere die Nutzung moderner Lösungen und Updates, einheitliche Release-Stände, die Flexibilität der Leistungsbereitstellung, die Datensicherheit und Kostensenkungsaspekte zu den Stärken von ITaaS/SaaS. "Interessanterweise werten fast zwei Drittel der Befragten den Aspekt „hohe Datensicherheit“ als eine Stärke von ITaaS/SaaS. Diese Wertung zeigt, dass mitunter vorgetragene Zweifel an der Datensicherheit schwächer werden", stellt Matthias Zacher, Senior Advisor bei Experton Group, fest. Je nach Anforderungsprofil wird es seiner Ansicht nach hier aber weiterhin kontroverse Diskussionen darüber geben, ob Daten im Hause selbst oder im Rechenzentrum eines Dienstleisters sicherer sind.
IT as a Service (ITaaS)
Die Grundlage von IT-as-a-Services als Basis für Cloud-Computing sind Virtualisierungs-, Grid- und Clustering-Technologien. Je nachdem ob Software, gesamte Plattformen oder „nur“ Infrastruktur als Cloud Service angeboten werden, differenziert Experton Group nach:
Quelle: Experton Group