> Zu Beginn des Jahres 2009 brach der weltweite Servermarkt dramatisch ein. „Wir befanden uns mitten in der Wirtschaftskrise und praktisch alle Unternehmen sparten wo immer möglich“, erinnert Wolfgang Schwab, Senior Advisor & Program Manager Efficient Infrastructure bei der Experton Group AG. Dabei wurden die Laufzeiten von IT-Hardware verlängert, um die Kosten für Ersatzinvestitionen zu verschieben. In der Folge gingen die Zahl der verkauften Geräte sowie die Umsätze der Hersteller stark zurück, die bis zu 26 Prozent an Verlusten gegenüber dem Vorjahr zu beklagen hatten.
Nach Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal 2010 sind nun wieder leichte Zuwächse zu bemerken. Die Analysten des Marktforschungsinstituts Gartner vermelden gar ein weltweites Absatzplus in Höhe von 23 Prozent bei der Zahl der verkauften Einheiten, aus denen sich Umsatzzuwächse in Höhe von sechs Prozent generieren. Laut Wolfgang Schwab ist dafür ein „Nachholverhalten“ verantwortlich, in dessen Rahmen insbesondere seit Jahresbeginn mehr Geld für Ersatzinvestitionen sowie Neuanschaffungen ausgegeben wird.
Doch daraus bereits eine Erholung des Marktes abzuleiten, ist vielleicht verfrüht. So erklärt Adrian O’Connell, Principal Research Analyst bei Gartner: „Im ersten Quartal 2010 liegen wir immer noch unter dem Niveau von 2008 und es wird auch noch eine Zeit lang dauern, bis wir wieder zu den alten Höhen zurückkehren.“ Schließlich gebe es immer noch eine Vielzahl an Unternehmen, die von einer Reihe wirtschaftlicher und geschäftlicher Sorgen geplagt würden. Zuversichtlicher geht Schwab davon aus, dass sich nach dem zu beobachtenden rasanten Wachstum „wieder eine Phase des normalen Geschäfts einstellen wird“, die Wachstumsraten zwischen vier und acht Prozent pro Jahr beinhaltet.
Genau besehen und auf die DACH-Region fokussiert ist dieses „rasante Wachstum“ allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Zwar hat sich der Wert der verkauften Stückzahlen für Deutschland, Österreich und die Schweiz nach Schätzungen von Gartner um ganze 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht, doch gleichzeitig stieg der Umsatz bloß um 0,4 Prozent. Dabei bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Herstellern, die sich wenigstens für das erste Quartal in Gewinner und Verlierer scheiden lassen.
Gewinner und Verlierer
Zu den Gewinnern gehört eindeutig HP, die ihren Absatz um rund 27 Prozent und den Umsatz sogar um beinahe 33 Prozent steigern konnte und damit den bislang umsatzstärksten Hersteller IBM abgelöst hat. Die IBM verzeichnete ihrerseits mit einem prozentualen Absatzplus in Höhe von 16,6 Prozent zwar ebenfalls einen beachtlichen Zuwachs, verlor auf der anderen Seite jedoch beinahe 22 Prozent an Umsatz. Von den verbleibenden „großen“ Serveranbietern Dell, Fujitsu und der von Oracle übernommenen und zunehmend Marktanteilen einbüßenden Sun Microsystems konnte nur Dell den gestiegenen Absatz (+9 Prozent) auch in wachsende Umsätze (+7,4 Prozent) verwandeln.

Geschuldet sind diese Unterschiede einer Reihe von Faktoren. Adrian O’Connell erklärt den Servermarkt folgendermaßen: „Die Zahl der verkauften Einheiten und der Umsätze reflektiert die verhältnismäßige Stärke der unterschiedlichen Serverplattformen.“ So sei die IBM aufgrund ihrer Stärke bei Highendplattformen sowie auf dem Unix-Markt üblicherweise führend beim Umsatzanteil, während HP zwar auch Stärken im Highendbereich habe, allerdings der führende Anbieter von x86-basierten Servern sei. Letzteres versetze sie an erste Stelle beim zahlenmäßigen Absatz. Schenkt man den Einschätzungen der Analysten Glauben, dann liegt das HP-Portfolio im Trend. Auf den Punkt bringt es etwa Wolfgang Schwab, der sagt: „x86-Server, insbesondere Blades werden weiter zulegen.“
Entsprechend macht Nicole Riesinger (siehe Foto links), ISS Product Manager bei HP Deutschland, deren starke Marke Proliant im x86-Bereich für den Erfolg mitverantwortlich. Zudem habe man im Wachstumsmarkt Blades „die Nase vorn“ und gestalte das Segment im Serverbereich sowie „für Netzwerk- und Speicherthemen“ aktiv mit. Dabei hebt sie auf das HP-Architekturkonzept „Converged Infrastructure“ ab, bei dem Server-, Speicher- und Netzwerkressourcen nebst Managementsoftware in eine gemeinsame Infrastruktur integriert werden.
Lässt sich anhand der Umsatzverteilung also ein Trend abzeichnen, bei dem Großrechner- und Unix-Plattformen auf der Strecke bleiben? Ganz so einfach ist es nicht. Beim aktuellen Umsatzminus der IBM sollte berücksichtigt werden, dass die jüngsten Produktgenerationen bei Mainframes und Power Systems für eine Investitionsverzögerung gesorgt haben; eine Sichtweise, die auch Gartner vertritt. Entsprechend optimistisch erklärt Ingolf Wittmann (siehe Foto links), Technical Director bei IBM: „Die veröffentlichen Zahlen lassen eine Erholung des Marktes erkennen, die sich zurzeit bei x86 und Blades niederschlägt, dann aber auch tendenziell bei Systemen im Midrange- und Highendbereich sichtbar wird.“
Nicht außer Acht gelassen werden sollte auch der japanische Konzern Fujitsu. Beim Absatz in der DACH-Region legte der Anbieter rund 14 Prozent zu und steht an zweiter Stelle der Absatzrangliste. Die Entwicklung der Marktanteile betrachtet Bernd Wagner (siehe Foto links), Senior Vice President Region Germany & Managing Director Germany, trotz Umsatzeinbußen in Höhe von 4,6 Prozent, wohlwollend: „Wir wachsen hier in einem nominal vergebenen Markt substantiell, was uns gut gefällt.“ In der Krise sieht er auch einen positiven Effekt: „Beim Kunden wächst die Erkenntnis, dass ganzheitliche Lösungen sinnvoller sind als reine Ablöseinvestitionen.
Alles auf Blade?
Wie sich das Verhältnis zwischen den Anbietern und den unterschiedlichen Serverplattformen künftig entwickelt, hängt auch davon ab, ob Unternehmen an bewährten Lösungen festhalten oder sich für Migrationsprojekte entscheiden. Zurzeit sehen die Serverlandschaften bei den Kunden der Hardwarehersteller noch recht unterschiedlich aus. Auf die Frage, welche Serverplattformen in den Rechenzentren der HP-Kunden dominieren, antwortet Nicole Riesinger: „Bisher dominierten eher die klassischen Rack-Formfaktoren. Die Blades“, ergänzt sie, „sind aber klar auf dem Vormarsch, ob im Enterprisebereich oder bei öffentlichen Einrichtungen.“
Ingolf Wittmann weist seinerseits auf Variationen im Bereich der IBM-Kunden hin: „Der Mainframe ist stark im Finanzumfeld sowie teilweise im öffentlichen Sektor, wo es auf hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit ankommt.“ Branchenübergreifend seien zudem bei vielen Unternehmen Unix-Systeme aufgrund ihrer Stärken im SAP-Umfeld im Einsatz. Den allgemeinen Trend hin zu x86-Plattformen stellt aber auch er fest: „x86 nimmt aufgrund steigender Zuverlässigkeit insbesondere da zu, wo energieeffiziente Bladelösungen das Aufkommen von Serverfarmen dämpfen können.“
Wie es bei Fujitsu aussieht, schildert Bernd Wagner: „Den absolut größten Anteil machen heute die x86-basierten Serversysteme aus, unser Mainframegeschäft ist stabil.“ Für Sparc-basierte Systeme hingegen sehe sein Unternehmen „mittelfristig eine Daseinsberechtigung in bestimmten Segmenten“. Kunden wolle man beim Übergang auf eine für die Zukunft optimierte Plattform begleiten, was ganz danach klingt, als räume Fujitsu Servern mit Sparc-Prozessoren langfristig keine Chancen ein. Alleine Oracle scheint das anders zu sehen, hatte der Datenbankhersteller noch zu Beginn des Jahres „massive Investitionen“ in die Sparc-Architektur der von ihm übernommenen Sun Microsystems angekündigt. Die Umsätze mit deren Sparc-Solaris-Servern gehen jedoch bereits seit geraumer Zeit kontinuierlich zurück.
Hinsichtlich der künftigen Serverausstattung in den Rechenzentren der Unternehmen bestehen auf Analystenseite viele übereinstimmende Vorhersagen. Was Unix-basierte Systeme anbelangt, stellt Adrian O’Connell fest: „Wir sehen eine zunehmende Zahl Kunden, die ihre Unix-Investitionen in Frage stellen.“ Damit einhergehend erwartet Gartner zunehmende Migrationen von Unix-Umgebungen auf Windows- oder Linux-Plattformen. Wolfgang Schwab bemerkt prägnant: „Unix ist bereits unter Druck und wird es weiter bleiben.“
Bezüglich der Großrechner, die Experton-Mann Schwab „vereinzelt“ in den Rechenzentren großer Unternehmen sieht, nimmt er an, dass diese auch in den nächsten fünf Jahren weiter genutzt oder ausgelagert werden. Weiterhin bemerkt er: „Es gibt nur wenige Migrationsprojekte weg vom Mainframe und ein derartiger Trend ist auch nicht erkennbar.“ Ähnliches äußert Gartner-Analyst O’Connell: „Wir sehen Kunden Workloads von Mainframeumgebungen verschieben. In vielen Fällen aber“, urteilt er, „können die Risiken, die mit dem Verschieben von Workloads von Mainframes verbunden sind, höher sein als die potentiellen Kostenersparnisse.“ In den nächsten Jahren erwartet er jedenfalls eine größere Anfälligkeit des Unix- als des Mainframe-Markts. Ungleich positiver beurteilt Ingolf Wittmann die Position von Unix-Systemen und Mainframe. „Aktuell“, berichtet er, „wachsen die Workloads auf den großen Unix-Servern und auf dem Mainframe eher, als dass diese zurückgehen.“ Seiner Meinung nach ist zudem ein „Trend zu größeren virtualisierten Servern und Speichersystemen zu beobachten, welche kleinere Einheiten konsolidieren.“ Statt zunehmender Migrationen auf kleinere Windows- oder Linux-Plattformen soll es also doch in Richtung Großrechner gehen? Womöglich ist der Markt groß genug für beide Wege.
Anhaltspunkte dafür liefert auch Bernd Wagner, der vorhersieht: „Der Trend zu virtualisierten, leistungsstarken Systemen, mit denen auch die bislang dediziert laufenden großen Datenbank- und Applikationsserver in die Hypervisorwelt migriert werden können, ist ungebrochen.“ Dabei zielt der Fujitsu-Manager zwar auf neue Serversysteme mit Intel-Prozessoren ab, doch ergänzend stellt er fest: „Es wird schwer für andere Plattformen, sich neben x86 und Mainframe zu behaupten.“
Ob nun auf größeren oder kleineren Plattformen, hinsichtlich der bestehenden und weiterhin zunehmenden Wichtigkeit von Virtualisierung besteht weitestgehend Einigkeit in der Branche. Gemäß Analyst O’Connell erfährt die Technologie bereits eine hohe Annahme auf Seiten der Anwender. Gleichwohl gebe es sowohl bei großen Firmen als auch bei mittelständischen Unternehmen noch großes Potential für deren Vertiefung. „Anwender müssen aber begreifen, wie die Technologie ausreift sowie bessere Methoden entwickeln, um eine physische und virtualisierte Umgebung zu verwalten“, gibt er zu bedenken. „Andernfalls“, erklärt er, „ersetzen sie bloß das Problem physischen Serverwildwuchses durch virtuellen Serverwildwuchs.“ <
Verkaufte Einheiten
Wachstumsraten im Servermarkt 1. Quartal 2009 bis 1. Quartal 2010 in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz)
Quelle: Gartner-Schätzungen, Stand: 8. Juni 2010
Wachsender Serverumsatz
Wachstumsraten im Servermarkt 1. Quartal 2009 bis 1. Quartal 2010 in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz)
Quelle: Gartner-Schätzungen, Stand: 8. Juni 2010
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