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Variantenvielfalt als Erfolgsfaktor

 

Unternehmen, die ihre Produkte modular aufbauen, können sich entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern. Denn auf diese Weise ist es möglich, den Kunden mit geringem Aufwand eine große Variantenvielfalt zu bieten.

> Angaben des VDMA zufolge bietet der deutsche Maschinenbau mit 20.000 typisierten Produkten eine weltweit einmalige Produktvielfalt. Im Durchschnitt verwaltet jedes einzelne Unternehmen mehr als 100.000 verschiedene Teile. Täglich entstehen neue Varianten, um den individuellen Kundenanforderungen gerecht zu werden. Die Folge: Die Produkte werden immer komplexer und die Auftragsabwicklung sowie Fertigung immer aufwändiger. Dabei müssen Unternehmen in Zeiten stagnierender Märkte und eines aggressiven Verdrängungswettbewerbs sensibel auf Veränderungen in der Nachfrage reagieren. Das gelingt nur, wenn Entwicklungsingenieure und Vertriebsmitarbeiter eng zusammenarbeiten. Volker Schnittler, Fachreferent ERP beim VDMA: »Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen, die den Vertrieb frühzeitig in das Produktmarketing und die strategische Produktentwicklung einbeziehen, insgesamt erfolgreicher sind als andere.«

Modularisierung als Weg aus der Kostenfalle

Neben marktgerechten Produkten sind ein wettbewerbsfähiger Preis und ein hoher Deckungsbeitrag für den Unternehmenserfolg entscheidend. Insbesondere Unternehmen in den Hochlohnländern Westeuropas müssen sich einem ständig wachsenden Kostendruck stellen. Doch wie können die Unternehmen effizienter agieren, ohne dass die Qualität darunter leidet und die vom Kunden gewünschte Vielfalt eingeschränkt wird? Michael Hüllenkremer, Geschäftsführer von camos, einem auf CRM-Systeme und Produktkonfiguratoren spezialisierten IT-Dienstleister, sieht einen Weg aus der Kostenfalle in einer konsequenten Modularisierung der Produkte. »Die Kunst besteht darin, die individuellen Wünsche des Kunden schnell und kostengünstig zu befriedigen. Das gelingt, wenn Maschinenbauer die Vielfalt der Produktvarianten abkoppeln von der Vielfalt der Teile und Baugruppen«, so Michael Hüllenkremer. Hier setzt die Modularisierung an: Im Idealfall wird eine Maschine nicht mehr neu konstruiert, sondern aus kompatiblen Baugruppen mit standardisierten Schnittstellen konfiguriert. Dazu ist es allerdings notwendig, einen Variantenbaukasten zu erstellen, und das heißt für viele Unternehmen: komplett umzudenken. Grundlage der Produktentwicklung ist nicht länger die fertige Maschine mit ihrem individuellen Verwendungszweck. Vielmehr rücken die standardisierten Funktionsbaugruppen in den Blick. Diese lassen sich zu kundenspezifischen Produktvarianten kombinieren. Mit dieser Strategie gelingt es, den Entwicklungs- und Herstellungsaufwand erheblich zu reduzieren und folglich auch die Kosten deutlich zu senken. Michael Hüllenkremer: »Die Produktmodularisierung wird zur Kernaufgabe des Maschinenbaus, denn sie ist die grundlegende Voraussetzung für die gewünschte Produktvielfalt zu günstigen Preisen.«

Anforderungen an den Baukasten

Dabei ist es jedoch mit der Definition der funktionalen Komponenten nicht getan. Darüber hinaus sollten die Schnittstellen zwischen den Baugruppen so weit standardisiert sein, dass neu entwickelte oder kundenspezifische Baugruppen schnell und kostengünstig hinzugefügt werden können.  »Ist es einem Unternehmen gelungen, seine Produkte zu modularisieren, ist es näher bei seinen Kunden als zuvor«, sagt Michael Hüllenkremer. »Denn neue technologische Trends, von denen der Vertrieb erfährt, kann die Entwicklungsabteilung sogleich aufgreifen. Schließlich geht es nicht mehr darum, eine Maschine komplett neu zu konstruieren.« Unternehmen sind dazu in der Lage, mit reduziertem Aufwand schnell neue Produktvarianten anzubieten. Hinzu kommt, dass nicht länger aufwändige Anpassungskonstruktionen die Kapazitäten der Entwicklungsabteilungen binden. Diese Zeit ließe sich besser mit wertanalytischen Betrachtungen des Portfolios und der Entwicklung echter Innovationen nutzen. Die Produktmodularisierung ermöglicht darüber hinaus die Standardisierung der Vertriebs- und Auftragsabwicklungsprozesse und dies wiederum erlaubt den effizienten Einsatz IT-gestützter Methoden. Hier sind vor allem die Produktkonfiguratoren zu nennen, mit denen im Vertrieb schnell ein technisch korrektes Produkt konfiguriert und ein Angebot erstellt wird, und im Auftragsfall die Variantenstücklisten und Arbeitspläne erstellt werden.
Wenn sich das Konzept der Modularisierung durchsetzt, schafft sich der deutsche Maschinen- und Anlagenbau wertvolle Wettbewerbsvorteile in einer globalisierten Branche: Qualität »Made in Germany« zu marktfähigen Preisen. <


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