IT-DIRECTOR: Was sollten IT-Verantwortliche bei der Planung und Durchführung eines Umzugs ihrer Unternehmens-IT vor allem beachten?
Michael Auerbach: Jeder Umzug ist ein komplexes Vorhaben, das ohne ein ausgeklügeltes Projektmanagement nicht funktionieren kann. Wichtig ist dabei ein Team aus erfahrenen Fachleuten – unter Einbeziehung externer Ressourcen, um einen „Tunnelblick“ zu vermeiden. Im Projektteam muss es eine klare Aufgabenverteilung geben zum Beispiel zwischen der reinen Logistik und der technischen Umsetzung. Zur Vorbereitung gehört auch eine umfassende und frühzeitige Kommunikation. Mitarbeiter, Partner und Kunden müssen detailliert über den geplanten Umzug und den Workflow informiert werden.
Zum Ablauf selbst gehören beispielsweise der parallele Aufbau der Netzwerkinfrastruktur, Desaster-Recovery- bzw. umfangreiche Backups und Restore-Tests vor dem Umzug und auf jeden Fall ein Roll-Back-Plan für den Notfall. Nicht vergessen werden darf die Einbeziehung von nicht IT-bezogenen Aktivitäten wie die Beauftragung eines spezialisierten Logistikunternehmens für die Hardware, Transportmittel zum LKW, Überprüfung der Transportwege (etwa Türhöhen und Umgehung von Personenschleusen), eventueller Ausfall von Aufzügen, mögliche Baustellen und Straßensperren zwischen den Rechenzentren, Arbeitssicherheit und vieles andere mehr.
Am Rande bemerkt: Es gibt keine einzelne Behörde, die einem Unternehmen definitiv zusichern kann, dass die Straßen, Transportwege oder Ladezonen zwischen den beiden Standorten während des Umzuges frei sind. Das muss parallel beim Hochbauamt, Tiefbauamt, Straßenbauamt, Wasserversorger und den Stadtwerken erfragt werden. Auf jeden Fall sollte man den Veranstaltungskalender des Kulturreferates der Stadt oder der Gemeinde konsultieren. Ein Straßenfest oder ein Stadt-Marathon kann jede detaillierte Planung obsolet machten.
IT-DIRECTOR: Mit welchen Ausfallszeiten muss bei einem kompletten ITK-Umzug schlimmstenfalls gerechnet werden?
Thomas Mitschke: Das kommt ganz auf die Planung und die Anforderungen an. Um Ausfallzeiten zu minimieren, können Teile der Infrastruktur parallel aufgebaut werden. Das setzt aber voraus, dass in Abhängigkeit zueinander stehende Hardwarekomponenten, Applikationen und Datenbanken etc. vorher getestet wurden und „nur“ hochgefahren werden müssen. Generell ist zu sagen, dass der Umzug einer virtualisierten Infrastruktur verglichen mit dedizierten Servern und Storagesystemen zeitlich schneller und kostengünstiger zu bewerkstelligen ist. Denn in einer virtualisierten Infrastruktur müssen weniger Systeme ab- und später wieder aufgebaut werden.
Des Weiteren ist für einen schnellen Umzug der zumindest teilweise redundante Aufbau der Netzwerkinfrastruktur erforderlich, um ein eventuelles Troubleshooting – und damit potentielle Ausfallzeiten – möglichst auf Applikationen und defekte Hardware zu begrenzen. Um Ausfallzeiten wegen defekter Platten möglichst gering zu halten, sollten wenn möglich die Maschinen vor dem Umzug mehrmals rebooted werden. Damit werden bereits im Vorfeld potentielle Fehlerquellen beseitigt.
IT-DIRECTOR: Sollte man teure Hardware speziell absichern (zum Beispiel mit besonderer Verpackung, IT-Versicherungen)?
Thomas Mitschke: Für jeden IT-Umzug sollten spezielle Transportunternehmen beauftragt werden, die auch die entsprechenden Verpackungsmittel bereitstellen. Basierend auf dem Buchwert ist eine Versicherung der Hardware zwingend notwendig.
IT-DIRECTOR: Wie greifen Dienstleister den IT-Verantwortlichen beim Umzug unter die Arme?
Thomas Mitschke: Bei Bedarf steht NTT Europe Online den IT-Verantwortlichen mit Projektplanung, speziellen Roll-Back-Plänen etc. beratend zur Seite. Im Sommer letzten Jahres ist unser eigenes Rechenzentrum innerhalb von Frankfurt am Main in ein neues Gebäude umgezogen. Die Umzugsvorbereitungen begannen bereits sechs Monate früher. Das Projekt wurde dank einer peniblen Vorbereitung und externer Unterstützung an einem Wochenende umgesetzt und der Betrieb ging danach ungehindert weiter. Es gab viel positives Feedback der Kunden, die vor allem den Informationsfluss im Vorfeld zu schätzen wussten.