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Software für den Wandel

Von: Achim Born

Ein Rückblick auf den SAP-Kongress Teched Ende Oktober in Wien

Jim Hagemann Snabe

Jim Hagemann Snabe, SAP-Vorstand, Ende Oktober auf der Teched in Wien

Den Wandel meistern will SAP. Schließlich sei „Wandel eine Konstante“ in der heutigen Welt, wie Mark Yolton die Teilnehmer zur Begrüßung auf der Teched in Wien glauben lassen wollte. Dass sein Arbeitgeber selbst mitten im Wandel steckt, ließ der Vorsitzende des SAP Community Network bis auf unstrittige Beispiele (der Aufstieg Léo Apothekers, der gesponsorte Erfolg der TSG 1899 Hoffenheim, der Wechsel von Zia Yusuf zu Singh Mecker an der Spitze der Global Ecosystem und Partner Group GEPG) unerwähnt. Den Aspekt Wechsel oder – genauer – Geschwindigkeit des Wechsels betonte auch Jim Hagemann Snabe in seiner Auftaktrede. Der im SAP-Vorstand für Business Solutions & Technology verantwortliche Däne adressierte damit die unterschiedlichen Forderungen, die sich aus dem Spannungsfeld von Stabilität, Effizienz und Innovation ergeben.

Er betonte den Middleware-Charakter von Netweaver und erklärte das Konzept der zeitlosen Software. Mit diesem Entwurf, den die SAP-Oberen seit rund einem Jahr propagieren, sollen die unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten verschiedener Ebenen einer Softwarearchitektur „eingefangen“ werden. Im Groben heißt das technisch: Das stabile Fundament wird von der Business Suite 7 gestellt, deren Kernprozesse permanent auf Effizienz getrimmt werden. Schnelllebigere ergänzende Services für neue Anwendungen (auch im On-Demand-Betrieb) bedingen Flexibilität (Innovation). Analytische Funktionen versorgen Mitarbeiter mit den notwendigen In­formationen für schnelle Entscheidungen (Reichweite).

Das klingt vordergründig vernünftig. Mit Blick auf die Kasse des Anbieters erlaubt dieser Ansatz allerdings auch die Interpretation, dass Teillösungen für Spezialaufgaben oder -Märkte sowie Business Objects Analyse-Programme in die (Einnahme-)Bresche des ausge­reizten Geschäfts mit der ERP-Suite springen. Konsequenterweise standen in Wien die Technologieansätze von Business Objects und ihre Integration in SAP im Vordergrund. So wurde vorgeführt, wie Business Intelligence Consumer Services vorhandene BEx Queries des SAP-eigenen Business Warehouse (BW) in die Endanwender-Werkzeuge Xcelsius und Crystal Reports einbinden. Wie es mittlerweile bei Herstellern von Unternehmenssoftware üblich ist, präsentierte SAP zudem als „Innovation“, dass das Analysetool BO Explorer in Bälde per Iphone bedienbar ist. Andere Entwicklungen, wie etwa 12 Sprints (eine Art Kombination aus Projektwiki und kollaborativer Analyse) oder Kona (BI Dashboard) greifen den „Gemeinschaftsgedanken“ des Web 2.0 bzw. die Idee des Cloud Computing auf.  

Zeitlose Software

Zurück zur „Timeless Software“ à la SAP: Jenseits (oder oberhalb) der Business Suite als stabilem Fundament müht sich die SAP anscheinend mit Blick auf heterogene IT-Landschaften um ein Image großer Offenheit. So wird das im Mai vorgestellte Analyse-Werkzeug Business Objects Explorer nun auch für die „beschleunigte“ Verarbeitung von Fremddaten geöffnet. Ebenso unterstreicht der Anbieter neuerdings wieder den Middleware-Charakter der SAP-eigenen Entwicklungs- und Ablaufplattform Netweaver und drängt die zuvor so beworbene Idee der Business Process Platform wieder ein wenig in den Hintergrund. Der zuständige Entwicklungschef Hervé Couturier erwähnte in diesem Kontext insbesondere die Aufgabe von Netweaver als Orchestrierungsbus für heterogene Umgebungen und als „Steuermann“ der End-to-End-Prozesse. Außerdem ließ der Manager mit Business-Objects-Wurzeln anklingen, dass das Angebot für „Business Process Management“ (BPM) der Walldorfer deutlich ausgebaut werden soll.

Den Ausführungen von Couturier zufolge arbeitet SAP derzeit intensiv daran, die diversen Middleware-Linien im eigenen Hause zusammenzuführen. Aktuell hegt und pflegt man noch den Netweaver 7.0 der Business Suite, den Netweaver 7.1 der (Java-)Entwicklungsplattformen sowie die „abgespeckte“ Netweaver 7.0 der SaaS-Offerte Business By Design. Des Weiteren nutzen SAP-Entwickler, die unter der Leitung des Ex-Oracle-Managers John Wookey an ergänzenden On-Demand-Produkten zur Business Suite werkeln, mit der Plattform der übernommenen US-Firma Frictionless eine zusätzliche Middleware. Künftig soll es nur noch zwei Hauptlinien für Middleware geben – eine für On Demand und eine für den selbst gehosteten Betrieb (On Premise). Für letztgenannte, die im Grunde an dem Netweaver-Stack anknüpft, sind zwei Einsatzoptionen (ABAP/Java oder reiner Java-Stack) vorgesehen.

Wie anlässlich der Teched bekannt wurde, baut SAP im Rahmen der Middleware auch die Open-Source-Unterstützung aus. Nach Eclipse engagieren sich die Walldorfer nun stark bei der Apache Software Foundation (ASF). Man hat u.a. das neue Apache-Aries-Projekt – ein Applikationsprogrammiermodell für die Open Services Gateway-Initiative (OSGi) – mit ins Leben gerufen und beabsichtigt weitere Projekte (Maven, VXQuery, Tomcat, Open EJB oder Active MQ) zu unterstützen. Ziel ist es, diese Technologien auch in künftige Versionen der Komponente Netweaver Application Server zu integrieren. Im Gespräch mit Analysten beeilte sich Snabe zu erklären, dass das zunehmende Engagement für Open Source nicht als Einstieg in das Geschäft mit (kosten)freier Software missverstanden werden sollte. Den schmerzhaften Kern dieser eher scherzhaften Bemerkungen kennen SAP-Anwender mit Blick auf Lizenzkostenvermessung (User-Zahl) und Wartungspolitik (Enterprise Support) nur zu gut.


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